piwik no script img

Fahrradweg wird nachts gesperrt

■ Protest gegen Öffnung des Lesum-Sperrwerks von 22 bis 6 Uhr morgens

Die Anwohner Lesumbroks und Niederbürens sind sauer auf das Wasserwirtschaftsamt. Seit Anfang 1989 versuchen sie als Interessengemeinschaft „Werderland“ verlängerte Öffnungszeiten für das Lesumsperrwerk durchzusetzen. Neben dem Hochwasserschutz dient das Wehr als Brücke zwischen dem Werderland und Vegesack. Das gilt aber nur für Fußgänger und Fahrradfahrer. Autos fürfen das Sperrwerk nur mit einer Sondergenehmigung befahren. Im Winter ist die Brücke durchgehend offen. Wer aber in den Sommermonaten zwischen 22.00 und 6.00 Uhr diese Verbindung nutzen will, muß einen Umweg machen: quer durch Lesum und St. Magnus sind es rund zehn Kilometer.

Hintergrund: Die Lesum ist eine Bundeswasserstraße. Auf der haben Wasserfahrzeuge Vorrang. Beim Bau des Lesumsperrwerks mußte sich Bremen zum reibunglosen Ablauf des Schiffsverkehrs verpflichten. Also ent

schloß man sich zum Einbau einer Zugbrücke, die bei ankommenden Schiffen hochgezogen wird. Das gilt jedoch nur für die größeren. Kleinere Boote können eines der beiden anderen Schleusentore benutzen. Da das Wasserwirtschaftsamt als zuständige Behörde aber zu wenig Personal hat, läßt es in der Nacht die Brücke des Sperrwerkes einfach hochgeklappt: Freie Fahrt für Boote, Umweg für die Landbewohner.

Diesen Zustand wollen die Werderländer nicht länger schlucken. Im März vergangenen Jahres besetzten sie das Sperrwerk, danach sammelten sie rund 2.000 Unterschriften, die sie der Umweltschutzsenatorin Eva-Maria Lemke-Schulte übergaben. Neben einer besseren Anbindung Lesumbroks und Niederbürens haben die Betroffenen auch ökologische Interessen. Sie finden es unverständlich, daß die zuständige Senatorin die „Erweiterung der Öffnungszeiten nicht als Ausbau eines sanften Nahverkehrs

weges begreifen und vorantreiben“ will, wie es in einem Brief an die Senatorin heißt. Das Werderland besitzt keine ÖPNV-Anbindung. Und eine Sperrung des direkten Fahrradweges provoziert geradezu neuen Autoverkehr.

Das Wasserwirtschaftsamt sieht im Augenblick keine Möglichkeit, den Wünschen der Bürgerinitiative entgegenzukommen. „Aus Sicherheitsgründen“, wie dessen stellvertretender Leiter Fritz Bliesener meint. Solle die Brücke auch nachts nur bei Bedarf, also bei einem ankommenden Boot oder Schiff hochgezogen werden, brauche das Wasserwirtschaftsamt noch zwei Mann mehr Personal. Und das koste pro Jahr rund 150.000 DM. Alle technischen Lösungen seien zu risikoreich.

Die Werderländer laden alle Interessierten ein, sich am zweiten Ostertag, dem 16. April um 22.00 am Lesumer Sperrwerk zu treffen.

Ulf Buschmann

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen