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Ein Gipfel macht noch keinen Frühling

■ Schewardnadse bei Reagan, Shultz und dem Geist von Daniloff / Gipfeltreffen Reagan–Gorbatschow bleibt weiterhin offen / Peres trifft Schewardnadse

Berlin (taz) - Ohne Einigung auf einen Termin für ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Parteichef Gorbatschow und mit getrennten Pressekonferenzen ist am Samstag der Arbeitsbesuch des sowjetischen Außenministers Schewardnadse bei seinem ameri kanischen Kollegen Shultz in Washington zu Ende gegangen. Ein wesentliches Hindernis zum Gipfel bleibt auf amerikanischer Seite die sowjetische Spionageanklage gegen den Journalisten Daniloff, die breiten Raum in den Gesprächen einnahm. Auch Präsident Reagan, der Schewardnadse unprotokollarisch durch die Hintertür empfing, machte Daniloff zum einzigen Gesprächsinhalt. Die beiden Außenminister sehen jedoch gute Möglichkeiten, über diplomatische Kanäle eine Lösung zu finden. Weiterhin offen ist dagegen die Auseinandersetzung um die Stärke der sowjetischen UNO– Vertretung. Die USA hatten 25 sowjetische UNO–Mitarbeiter zur Abreise am 1. Oktober aufgefordert. Die UdSSR ihrerseits kündigt für diese „illegalen Maßnahmen“ Konsequenzen an. Daniloff wie die UNO–Affaire wurden von den Außenministern betont sachlich dargestellt, hieß es. Insgesamt seien die 14stündigen Gespräche für Shultz „ernsthaft und wesentlich“ gewesen, wie auch Schewardnadse von „gründlichen und alles in allem konstruktiven“ Gesprächen sprach, bei denen „gesunder Menschenverstand“ geherrscht habe. Für den Rüstungsbereich kündigte der sowjetische Minister Fortschritte bei den Gesprächen in Genf an, für die die Sowjetunion nun beim Zählen der Mittelstreckenraketen in Europa die Raketen in Frankreich und Großbritannien nicht einbeziehen will. Ansonsten sei man sich in Washington keinen Schritt näher gekommen. Man habe über SDI und die Einhaltung von Atomteststopps ausführlich gesprochen, ohne daß sich die beiden Seiten wirklich näher gekommen seien, erklärte Shultz. Die sowjetische Parteizeitung „Prawda“ hat unterdessen festgestellt, daß sich das Gesprächs klima mit Washington „verschlechtert“ habe. Peres trifft Schewardnadse Tel Aviv (taz) - Der israelische Premierminister Peres trifft am heutigen Montag mit dem sowjetischen Außenminister in New York zusammen. Hintergrund der Begegnung ist die grundsätzliche Bereitschaft von Peres zu einer internationalen Konferenz unter Einschluß der UdSSR zum Nahostkonflikt. Der israelische Premier meinte dazu in New York, eine Konferenz könne die Beziehungen sowohl zur Sowjetunion als auch zu China verbessern. Demgegenüber meinte der aus den USA zurückgekehrte Verteidigungsminister Rabin, die Chancen zu einer internationalen Konferenz lägen bei nahe Null. Der derzeitige israelische Außenminister Shamir, der in drei Wochen im Zuge der Rotation Ministerpräsident Israels wird, lehnt eine Nahost–Konferenz strikt ab.

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