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Neues Denken und Beton

■ US–Außenminister Shultz in Moskau

Das „Neue Denken“ ist eine der Chiffren, mit denen der Reformprozeß in der Sowjetunion beschrieben wird. „Wenn neues Denken auf Beton trifft“, müßte der Arbeitstitel eines Stückes über die derzeit stattfindenden Auseinandersetzungen zwischen den beiden Supermächten lauten. Denn die USA und mit ihnen die gesamte NATO, das hat der Besuch des amerikanischen Außenministers in Moskau eindrucksvoll bestätigt, haben außer Härte einfach nichts zu bieten. Der politische Visionär Gorbatschow ist mit einer Riege phantasieloser Betonköpfe konfrontiert, die kein politisches Konzept haben, denen nichts anderes einfällt, als die Aufstellung neuer Raketen. Das Mißverhältnis ist schlichtweg grotesk: Dem Mann gegenüber, der erstmals ernsthaft die Beseitigung atomarer Massenvernichtungsmittel will, hat Shultz nichts anderes entgegenzusetzen, als auf dem Recht zu beharren, neue Kurzstreckenraketen in Europa aufstellen zu können. Selbst wenn ein begrenztes Rüstungskontrollabkommen im Mittelstreckenbereich zustande kommen sollte, steht fest: Die früher gegenüber der UdSSR beklagte Systemsenilität gilt nun umgekehrt für den Westen. Wenn sich in den USA und innerhalb der NATO nichts bewegt, bleiben wir auf dem atomaren Horror sitzen. Bleibt nur zu hoffen, daß das „Neue Denken“ sich auf Dauer den Betonköpfen als überlegen erweist. Jürgen Gottschlich

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