: Petrus läßt Ölpreis erneut absacken
■ Schon seit Januar zwei Dollar unter OPEC-Marge / Volle Tanks drücken zusätzlich
Tokio (rt) – Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ist nach Einschätzung von Experten aus der Ölbranche mit ihren Bemühungen zur Preisstabilisierung offenbar vorerst gescheitert. In Kreisen der Ölindustrie in Tokio wird dies mit steigender Ölförderung bei gleichzeitig wieder abnehmender Nachfrage begründet. So fördere die OPEC mehr, als sie sich selbst mit 15,06 Millionen Barrel pro Tag (bpd) vorgegeben habe. Aber auch die nicht der Organisation angehörenden Ölproduzenten wie Norwegen ließen ihre Ölquellen kräftig sprudeln.
Ihr Ziel, den Ölpreis bei 18 Dollar für das Barrel Rohöl zu stabilisieren, hat die OPEC nach Darstellung der Branchenexperten nur kurzfristig erreicht. Überwiegend bewegten sich die Preise seit Jahresbeginn an den Weltölmärkten um rund zwei Dollar unterhalb der anvisierten Marke. Derzeit deute alles daraufhin, daß die Preise eher noch weiter zurückfallen. Neben der hohen Förderung machen die Experten dafür vor allem jahreszeitliche Gründe verantwortlich. So werde in der nördlichen Hälfte der Erde mit dem herannahenden Frühling aufgrund der wärmeren Witterung die Nachfrage weiter zurückgehen.
Nach einer Schätzung der Nachrichtenagentur Reuter bewegte sich die Ölförderung der OPEC im Januar um rund 16,7 Millionen bpd. In den Branchenkreisen geht man aber bereits für den Februar von einer Ölproduktion des Kartells von voraussichtlich 18 Millionen bpd aus. Länder wie Saudi-Arabien, Nigeria und der Iran hätten immense Lager unverkauften Öls angelegt, die den Markt zusätzlich belasteten. Angesichts dieser Situation müsse „der Markt früher oder später zusammenbrechen“, meinte dazu ein Ölhändler.
Andere Händler schätzen, daß die Ölpreise bereits innerhalb der nächsten Wochen um 50 Cents bis einen Dollar je Barrel fallen werden. Japan kaufe den größten Teil seiner Ölimporte schon jetzt zu niedrigeren, überwiegend an die der freien Märkte angepaßten Preisen, statt die hohen Forderungen der OPEC zu akzeptieren. So verkauften zum Beispiel die OPEC-Produzenten Iran, Irak, Kuwait und Katar ihr Öl zu Preisen, die denen an den Spot-Märkten etwa angepaßt seien. Dies bedeute gegenüber den offiziellen Preisen der OPEC Abschläge von rund 2,50 Dollar pro Barrel. Innerhalb der OPEC macht sich nach Darstellung der Branchenexperten zwischenzeitlich wachsende Unruhe bemerkbar. Allen voran seien Länder wie Saudi-Arabien sehr enttäuscht über die nach wie vor mangelnde Disziplin bezüglich der Fördermengen und Preise innerhalb der Organisation.
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