: Sportboykott gegen Südafrika
Anti-Apartheid-Bewegung und SportlerInnen starten Unterschriften-Kampagne / 203 bundesdeutsche SportlerInnen und zwei Mannschaften wetteiferten mit Südafrikanern und Namibiern ■ Aus Bonn Susanne Brahms
„Spiel nicht mit Apartheid - Kein Sport mit den Rassisten“ unter diesem Motto steht ein Aufruf der Anti-Apartheid Bewegung (AAB), der gestern in Bonn von dem ehemaligen grünen Bundestagsabgeordneten und heutigen AAB-Vertreter Walter Schwenninger vorgestellt wurde. Unterstützt wird die Unterschriftenkampagne von Wolfgang Herder, dem Vertreter der Initiative „Sportler und Sportlerinnen für den Frieden“ und zweiten Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend sowie von dem Erstunterzeichner Bernd Weyer, dem ehemaligen Wasserballeuropameister. Sie wandten sich auf der Pressekonferenz vor allem gegen die zunehmenden sportlichen Kontakte zwischen Südafrika, Namibia und der Bundesrepublik. Wettkämpfe in Südafrika seien, so Schwenninger, keine Ausnahme : 203 SportlerInnen und zwei Mannschaften aus der Bundesrepublik finden sich auf einer von der UNO zusammengestellten und jährlich aktualisierten Liste, 37 von ihnen sind im Jahr 1987 neu dazugekommen. Ebenso versuchen südafrikanische sowie namibische SportlerInnen Wettkämpfe in der Bundesrepublik auszutragen. Die Kontakte laufen meist über kleinere Vereine. Die Dachverbände, wie der Deutsche Sportbund, haben Resolutionen verabschiedet, die „dringend anraten, auf jeglichen Sportverkehr mit Südafrike zu verzichten“.
Hauptsächlich über „Orchideensportarten“ und solche Wettkämpfe, bei denen hohe Prämien winken, versuche das Rassisten-System SportlerInnen nach Südafrika zu locken, berichtete Schwenninger. Für Herder wird damit die Apartheid salonfähig gemacht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß es in Einzelfällen gemischtrassige südafrikanische Mannschaften gibt: Spätestens in den Umkleidekabinen herrscht wieder strikte Rassentrennung vor. Schwarze SportlerInnen hätten höchstens eine Alibi-Funktion. Einhellig forderten Schwenninger, Herder und Weyer die bundesdeutschen SportlerInnen zu Boykott-Maßnahmen auf. Wettkämpfe in Südafrika und in Namibia, solange dies ein besetztes Land sei, müßten unterbleiben. SportlerInnen, die dennoch in diesen Ländern antreten, müßten stärker diskriminiert werden. Weiterhin sollen alle SportlerInnen die UNO-Resolution über einen Selbstverzicht auf Sport in Südafrika unterzeichnen - was bisher lediglich eine einzige bundesdeutsche Karateka getan hat.
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