: NS-Mörder mit BRD-Visum
Nazi-Kriegsverbrecher Beleslaw Maikowski kam auf legalem Wege in die Bundesrepublik / Asyl-Antrag von Behörden noch nicht entschieden ■ Von Gerd Nowakowski
Berlin (taz) - Der aus den USA geflohenen und in der Bundesrepublik bei Münster untergetauchte lettische Nazi -Kriegsverbrecher Beleslaw Maikowski ist entgegen ersten Vermutungen nicht illegal, sondern mit einem bundesrepublikanischen Visum eingereist. Ob ihm in der BRD Asyl gewährt wird, entscheiden die Behörden im November.
Der ehemalige Kommandeur einer Nazi-Sondereinheit soll für die Zerstörung des lettischen Dorfes Audrini und der Ermordung von 200 BewohnerInnen verantwortlich sein.
Wegen dieser Tat wurde der seit 1951 in den USA lebende Mann 1965 in Abwesenheit von der Sowjetunion zum Tode verurteilt. Maikowski habe in seinem Asylantrag vom Oktober 1987 eine drohende politische Verfolgung in der Sowjetunion geltend gemacht, bestätigte die Zirndorfer Asyl-Behörde. Er habe unter deutscher Verantwortung gehandelt und sei von der Sowjetunion zu Unrecht verurteilt worden, Fortsetzung auf Seite 2
heißt es im Asylantrag.
Die Staatsschutz-Abteilung der Münsteraner Kriminalpolizei prüft gegenwärtig, ob ein Ermittlungsverfahren gegen den 84jährigen Exil-Letten eingeleitet werden soll. Gleiches untersucht auch die nordrhein-westfälische Zentralstelle für NS-Verbrechen. In der Bundesrepublik hat es bislang noch kein Verfahren gegen Maikowski gegeben.
Der oberste Gerichtshof der USA hatte nach zehnjährigem Verfahren 1986 die Deportation Maikowskis in die Sowjetunion verfügt - allerdings nicht ausgeführt. Die amerikanische Justizbehörde bemerkte sein Verschwinden erst vor wenigen Tagen; in Münster mit einer starken lettischen Gemeinschaft aber hält sich Maikowski bereis seit einem Jahr auf.
Nach den Worten eines Mitarbeiters der sowjetischen Botschaft in Bonn, Mironow, überlegt die Sowjetunion derzeit, welche Schritte sie in Sachen Maikowski unternehmen werde. Die Botschaft war nicht bereit, über weitere Beschuldigungen gegen Maikowski Auskunft zu geben. Nach dem Bericht einer britischen Zeitung von 1974 soll er für den Tod von insgesamt 15.000 Menschen verantwortlich sein. Zwischen den Bundesrepublik und der Sowjetunion gibt es kein Auslieferungsabkommen. Die USA hatte bereits angekündigt, sie werde sich nicht um die Rückkehr des Mannes bemühen.
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