: Zeitungs-Gedichte
■ Gedichte von Manuel Jose Arce
Manuel Jose Arce war einer der bekanntesten und einflußreichsten Theaterschriftsteller und Dichter Guatemalas; er ist 1935 geboren und starb 1985 in Albi im französischen Exil. Obwohl er aus aristokratischer Familie stammte - ein entfernter Verwandter von ihm war Präsident der unabhängigen Republik Zentralamerika in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts -, unterstützte er leidenschaftlich die Reformregierung von Arbenz, die durch einen von der CIA unterstützten Coup d'etat 1954 gestürzt wurde. Arce blieb in Guatemala und arbeitete bis 1967 unter äußerst schwierigen Bedingungen als unabhängiger Künstler und Journalist.
Dann ging er für ein Theaterstudium nach Frankreich, ein Aufenthalt, den er einmal als 'getarntes Exil‘ bezeichnet hat. Nach einem Jahr kehrte er nach Guatemala zurück und arbeitete hier zehn Jahre als Journalist, gleichzeitig jedoch schrieb er Gedichte und vor allem Theaterstücke. 1979 wurde er wieder gezwungen, das Land zu verlassen. Er kehrte nach Frankreich zurück und fand dort schließlich Arbeit als Journalist und Lehrer.
Gegen Ende seines Lebens arbeitete er im Kulturzentrum von Albi, zwischen Toulouse und Montpellier gelegen, in dem am 15.März 1985 sein letztes Stück, Arbenz, colonel de la primavera (Arbenz, Oberst des Frühling) aufgeführt wurde. Wie sehr man ihn geschätzt hatte, wurde deutlich auf seiner Beerdigung, an der Repräsentanten der wichtigsten Oppositionsparteien Guatemalas teilnehmen.
Manuel Jose Arce hat für seinen Beitrag zur Kultur Guatemalas und Zentralamerikas viele Preise bekommen, einschließlich des Miguel Angel Asturias Preises, der vom Obersten Rat Zentralamerikanischer Universitäten (CSUCA) verliehen wird. Er veröffentlichte unter anderem die Gedichtsammlung De la posible aurora (Bei einem möglichen Sonnenaufgang) und die Stücke Sebastian sale de compras (Sebastian geht einkaufen), Delito (Verbrechen), Condena y ejecucion de una gallina (Verurteilung und Exekution eines Huhnes) und Con permiso (Mit Erlaubnis).
Am 18.November 1988 wurden drei von Manuel Jose Arces bisher unveröffentlichten Gedichten in 'Tzolkin‘ abgedruckt, einer literarischen Beilage, die - finanziert vom guatemaltekischen Ministerium für Kultur und Sport gemeinsam mit der offiziösen Tageszeitung des Landes, 'Diario de Centroamerica‘, ausgeliefert wird.
Der offen politische Charakter der Gedichte bewirkte einen Proteststurm von Politikern, besonders aus der extremen Rechten und der Bewegung Nationale Befreiung (MLN); ihr Vorsitzender fragte, wie es möglich sei, daß die offizielle Zeitung des Landes Gedichte veröffentliche, durch die die Streitkräfte verunglimpft würden. Seit diesen Protesten ist 'Tzolkin‘ nicht mehr erschienen.
In einem Gespräch mit Index dementierte Marta Regina Rosales de Fashen, Stellvertretende Ministerin für Kultur und Sport, daß die Einstellung der Zeitschrift aus politischen Gründen erfolgt sei, vielmehr habe dies mit finanziellen Schwierigkeiten zu tun. Sie bestand darauf, daß man kein Papier mehr habe und aus Spargründen auch keines kaufen könne. Dieser Erklärung wird jedoch von vielen Journalisten Guatemalas widersprochen, einschließlich des Chefredakteurs von Diario de Centroamerica. Er bestätigte, daß ihrer Meinung nach 'Tzolkin‘ seit dem 18.November nicht mehr erschienen ist, weil es Arces Gedichte veröffentlicht hat. Die Gedichte, um die es geht, drucken wir hier ab.
John Kranianskas
Autoren aus Guatemala in deutschen Übersetzungen: Miguel Angel Asturias, Elisabeth Burgos, Otto Rene Castillo, Julia Esquivel und Mario Payeras.
UR
Lesen gegen das Patriarchat
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme – frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen