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Glückliches Versagen

■ Wolfgang Menges neues TV-Projekt

Als im Sommer 1945 zehn deutsche Wissenschaftler über die Abendnachrichten der BBC vom Abwurf der Atombombe auf Hiroschima hören, verwandelt sich ihr anfänglich ungläubiges Staunen bald in Betroffenheit und Schrecken. Schließlich erwacht in den Atomforschern wieder die Neugier: Wie konnte den Amerikanern gelingen, was sie selbst nicht geschafft haben?

Diese Szene des neuen Filmprojekts des DDR-Regisseurs Frank Beyer (Der Bruch) nach einem Drehbuch von Fernsehspielautor Wolfgang Menge (Ekel Alfred, Das Millionenspiel, Smog) mußte am 40. Drehtag in Berliner Filmstudios immer wieder neu geprobt und gedreht werden.

„Wir wollen mit unserem Film Ende der Unschuld so nah wie möglich an der Realität sein“, sagt der Geschäftsführer von „Allianz Film Berlin“, Norbert Schneider. Bis Ende Juni sollen die Dreharbeiten für das zweiteilige, vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Auftrag gegebene Fernsehspiel in Berlin, Haigerloch, Großbritannien und den USA abgeschlossen sein. Erstmals werden zehn prominente Schaupieler aus West- und Ost-Berlin zusammen in einer bundesdeutschen Fernsehproduktion zu sehen sein.

Der DDR-Film- und Theaterschauspieler Rolf Hoppe verkörpert den Physiker Otto Hahn, der zusammen mit Fritz Straßmann im Dezember 1938 die Kernspaltung entdeckte. Die Wissenschaftler Lise Meitner und Albert Einstein werden von der Brecht-Tochter Hanne Hiob und Fred Düren aus Ost-Berlin gespielt. Außerdem noch Ulrich Mühe vom Deutschen Theater in Ost-Berlin, Christian Doermer, Udo Samel, Hermann Treusch und Rolf Henniger mit.

Ende der Unschuld erzählt die Geschichte einer wissenschaftlichen Entdeckung und ihrer Instrumentalisierung durch die Politik. Als Hitlers Truppen 1941 einen militärischen Erfolg nach dem anderen errangen, schien alles nur noch eine Frage der Zeit zu sein: Die Forscher hatten eine Energie entdeckt, die - in einer Bombe gerade so groß wie eine Ananas - ganze Städte auslöschen kann. Doch wollten die Physiker, daß ihre Entdeckung in die Hand der Nazis fällt? „Der Film erzählt von Menschen, die unter einem totalitären System arbeiten, leben und zu überleben versuchen“, sagt Schneider. So eine Situation könne sich mit anderen Gegenständen und anderen Menschen wiederholen, meint er. „Eine Geschichte zum Lernen“, die im Frühjahr 1991 zu sehen sein wird.

dpa

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