■ SOWJETUNION: Anruf in Bagdad war vergeblich
Berlin (taz) — Der Friedensnobelpreisträger hat uns doch nicht enttäuscht. Wer fand, daß nach dem Scheitern der Nahostmissionen Primakows die sowjetische Diplomatie in Lethargie verfallen sei, wer argwöhnte, zum Schluß wäre der Golfkrieg für die sowjetische Führung gerade noch gut genug gewesen, um den schmutzigen kleinen Militäreinsatz in den baltischen Staaten aus den Schlagzeilen zu halten, der wurde jetzt moralisch wieder aufgerichtet. In letzter Minute habe Michail Gorbatschow am Donnerstag versucht, mit Saddam zu telefonieren, um ihn zum Nachgeben zu bewegen. Sein Ziel sei gewesen, einen direkten Kontakt zwischen Saddam und Bush herzustellen. Aber der eine nahm den Hörer nicht ab, und der andere schlief schon. Dann überkreuzte sich die erste Angriffswelle der „Koalition“ mit der Friedensinitiative. Dieser Fehlschlag hat den sowjetischen Präsidenten nicht entmutigt. Jetzt tagt die sowjetische Führung in Permanenz, um Vorschläge für eine räumliche und zeitliche Begrenzung des Golfkrieges auszuarbeiten.
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