: Chiles Armee schweigt zu Menschenrechtsbericht
Santiago (ips/afp) — Mit Zurückhaltung hat die chilenische Armee bisher auf den am Montag veröffentlichten offiziellen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen unter der Pinochet-Diktatur reagiert. Das für die meisten der 2.115 dokumentierten Todesfälle verantwortliche Heer, das noch unter dem Oberkommando General Pinochets steht, ließ lediglich verlautbaren, der Bericht werde „analysiert“. Sowohl das Heer wie auch die Marine verzichteten auf die Teilnahme an einem Essen, das Präsident Aylwin zu Ehren des rumänischen Premierministers Petre Roman gab, der gerade Chile besucht. Anwesend war jedoch der Generalstabschef der Luftwaffe, General Ramon Vega.
Chiles sozialdemokratischer Erziehungsminister Ricardo Lagos forderte gestern den Rücktritt des Oberkommandierenden Pinochet. Er erklärte, auch Aylwin wünsche diesen Rücktritt als Konsequenz des Menschenrechtsberichts. Verschiedene politische Gruppierungen kritisierten den Bericht als „unvollständig“ — so forderte KP-Chef Gladys Marin einen Prozeß gegen Ex-Diktator Pinochet. Rechte Parteien meinten, der Bericht gehe nicht auf die Faktoren ein, die zur Gewalt in Chile geführt hätten.
Auf große Nachfrage an den Kiosken stießen gestern die Tageszeitungen 'La Nacion‘ und 'La Epoca‘, die mit dem vollständigen Abdruck des Berichts begonnen haben.
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