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US-Regierung ruft Botschafter in Haiti aus Protest zurück

Washington (afp/wps) — Die Flucht der haitianischen Boat people in Richtung USA dauert an. Nach Angaben des US-Außenministeriums registrierte die US-Küstenwache zwischen Dienstag vergangener Woche und Sonntag 2.045 Bootsflüchtlinge aus Haiti. Unterdessen gerät die US-Regierung, die die Asylsuchenden kategorisch als Wirtschaftsflüchtlinge abstempelt, immer mehr in Legitimationsschwierigkeiten.

Erst am Montag rief die Bush-Administration ihren Botschafter aus Port-au-Prince zurück. Damit protestierte Washington gegen den Überfall von Polizisten in Zivil auf das Hauptquartier der kommunistischen Partei, bei dem der Parteiführer Rene Theodore zusammengeschlagen und einer seiner Leibwächter ermordet worden war. Theodore gilt als Kompromißkandidat für das Amt des Premierministers, der die Rückkehr des im letzten Jahr gestürzten Präsidenten Aristide vorbereiten sollte. Die Organisation amerikanischer Staaten (OAS) hatte zugesichert, nach Theodores Amtsübernahme das Embargo gegen Haiti aufzuheben. Die haitianische Regierung hatte eine derartige Lösung jedoch abgelehnt und Theodores Amtseinführung verweigert.

Insgesamt sind seit dem Sturz des haitianischen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide durch das Militär am 30. September 1991 mehr als 11.000 Haitianer in die USA geflohen, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Joseph Snyder, am Montag. Die Zahl der Flüchtlinge, bei denen es „plausible Gründe“ für politisches Asyl gebe, bezifferte der Sprecher auf knapp 3.000. Washingtons Politik der zwangsweisen Rückführung der Flüchtlinge nach Haiti ist durch die Entscheidung eines US-Richters vorläufig gestoppt worden.

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