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Bündnis 90 auch im Westen

■ Konkurrenz für die Grünen in Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf (taz) — Das Bündnis 90 hat ein erstes Baby im Westen Deutschlands bekommen. Der Bundessprecherrat der ostdeutschen Bürgerbewegung nahm am Montag die Elternschaft für den Anfang Juli in Nordrhein-Westfalen gegründeten Landesverband offiziell an.

Man hoffe, „daß mit der Gründung des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen ein Anfang gemacht ist, die Inhalte der demokratisch-ökologisch orientierten Bürgerbewegung verstärkt auch in den alten Bundesländern zu diskutieren und umzusetzen“ heißt es in einer Erklärung aus Berlin.

Auf die neue, rund 100 Mitglieder starke Konkurrenz reagierte die Düsseldorfer Parteizentrale der Grünen verschnupft. Angesichts des auf Bundesebene eingeleiteten Vereinigungsprozesses zwischen der Bürgerbewegung und den Grünen sei es sehr zweifelhaft, so die Landessprecherin der Grünen, Kerstin Müller, daß die Neugründung „ein hilfreicher Schritt“ sein könne. „Durch die Einigung auf Bundesebene erledige sich die Existenz von zwei Organisationen in Nordrhein-Westfalen von alleine“.

Die Sprecherin der neuen Bündnis-90-Dependance, Annette Meyer-Placke, betont dagegen die Eigenständigkeit ihrer Organisation. Annette Meyer-Placke, die die Grünen nach langjähriger Parteimitgliedschaft erst vor einem Jahr wegen der „ideologisch verbohrten Linksgläubigkeit“ verlassen hatte, möchte durch eine „Sachpolitik über Parteigrenzen hinweg“ dazu beitragen, daß sich die des Parteienschachers überdrüssigen Menschen wieder „den politischen Raum zurückerobern“.

Es gehe ihr darum, eine integrative Gesellschaftspolitik zu verwirklichen. Meyer-Placke wörtlich: „Der hierzu notwendige gesellschaftliche Dialog erfordert die Überwindung des politischen Blockdenkens und des alten ideologischen Rechts-links-Schematismus“.

Da die hier kritisierte politische Krankheit besonders in den Reihen der nordrhein-westfälischen Grünen grassiert, scheint eine gedeihliche Zusammenarbeit oder gar ein schnelles Zusammenwachsen auf NRW-Ebene trotz der beiderseitig betonten Gesprächsbereitschaft eher unwahrscheinlich. Walter Jakobs

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