: Der Kragenechse eins auf den Schwanz
■ Wie sich die Hamburger Polizei mit dem Game-Boy für den Ernstfall fithält
Tja, erwischt hat man sie, die drei Hamburger LeibwächterInnen für Volker Rühe – beim Gameboy-Spiel. Anstatt unseren Kriegsminister in Harburg zu beschützen, frönten die PolizistInnen lieber dem elektronischen Lieblingsspielzeug aller Drei- bis Dreizehnjährigen.
Psychologisch gesehen mußte das so kommen. Stellen Sie sich diesen Berufsalltag doch mal vor: Dauernd neben dem Schlips und Mantel herlaufen und das wachsame Auge auf's Rühesche Häuschen werfen. Da strebt der Action-Score doch gegen Null.
Im Gegensatz zum Game-Boy: Er fordert die geistige Kapazität unserer Leibwächter und -wächterinnen und bietet ihnen Spaß und Spannung, ohne daß sie die warme Wanne verlassen müssen. „Jurassic Park“, der momentane Renner auf dem Schirm der Daddel-Computer, zwingt auch kaum zum Umdenken: Zack! Die kleinen, flinken Dinos erledigt man mit Stöckchen! Wumms! Der dicke Stegosaurier in lila, der vor dem Angriff immer soviel Staub aufwirbelt, muß nur kräftig eins aufs Maul kriegen, damit er ruhig auf dem Boden liegen bleibt. Peng! Der fiesen Kragen-echse wird auf den Schwanz geballert! Weg is!
Warum ist Innensenator Hackmann nur so sauer? Weshalb soll Bernhard Gooßen, Chef der Polizei-Dirketion Süd, abgesägt werden? Und wieso sollen die drei Ertappten strafversetzt werden?
Psychologisch gesehen ist der Game-Boy doch ganz sinnvoll, immerhin können die hanseatischen PolizistInnen vom Computer-Spiel nur lernen. Zack! Kleine flinke Autonome erlegt man mit Stöckchen! Wumms! Lila Latzhosen kriegen was aufs Maul! Peng! Einem mit Schlips und Kragen wird auf den Schwanz geballert! – Oh, ähh, Herr Rühe, is' Ihnen was passiert? Herr Rühe, so stehen Sie doch auf!! Herr Rühe?? Volker???
Greta Eck
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen