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„Ich bin kein Rechtsradikaler“

■ Gestern begann der Prozeß um den Brandanschlag von Dolgenbrodt

Potsdam (taz) – Karl Pfannenschwarz, der neue Bürgermeister von Dolgenbrodt, war gestern morgen zuversichtlich: „Wir erwarten, daß unser Ort durch diesen Prozeß rehabilitiert wird.“ Die Dolgenbrodter Bürger stehen im Verdacht, Rechtsradikale zum Brandanschlag auf das örtliche bezugsfertige Asylbewerberheim angestiftet und bezahlt zu haben. Als Tatverdächtigen nahm die Polizei am 17. Mai 1993 den 19jährigen Silvio J. aus Königs Wusterhausen fest, der seit gestern als mutmaßlicher Brandstifter vor dem Potsdamer Landgericht steht, ein Nebenschauplatz, wie sein Anwalt Karsten Beckmann findet. „Um Anstifter zu finden, muß man erst mal einen Haupttäter haben. Die Anstifter sitzen hier nicht auf der Anklagebank.“ Beckmann wirft Staatsanwalt Robert Lenz vor, sich im Fall Silvio J. zu schnell auf den Täter festgelegt zu haben. Silvio J., der seit fast 10 Monaten in U-Haft sitzt, bestreitet die Tat, will jedoch zur Sache „noch nichts“ aussagen. Heftig wehrte sich der 19jährige gegen den Vorwurf, ein Rechtsradikaler zu sein. „Das ist eine Beleidigung.“ Der Königs Wusterhausener Kripobeamte Darmer bezeichnet J. als Grenzgänger zwischen Links- und Rechtsextremen. In der Tat hat Silvio J. nachweislich Kontakte in die Königs Wusterhausener Rechtsradikalenszene.

Zeugenaussagen zufolge war ein weißer Golf in der Brandnacht in Dolgenbrodt gesehen worden. Auch J. fährt einen weißen Golf. „J.s Name fiel gleich als der des möglichen Täters“, sagte Dolgenbrodts Feuerwehrchef Klaus Walzer. Allerdings fiel auch der des Dorfskinheads Marko S. Die Anschuldigungen gegen die Bürger wollte Walzer nicht entkräften. Die Worte, „dann brennen wir eben das Haus ab“, könnten in der Bürgerversammlung gefallen sein. Walzer hält es für möglich, daß Geld an die Brandstifter geflossen ist. Augenzeugen für den Brandanschlag gibt es jedoch nicht: Der Wachschutz, der eigentlich das Objekt hätte beschützen sollen, war nicht anwesend, wie die Angestellten gestern zugaben. Michaela Schießl

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