■ Das Portrait: Der Brite von Horno
Seit zwei Jahren engagiert sich der gebürtige Londoner Michael Gromm für die Rettung des sorbisch-brandenburgischen Dorfes Horno, das den Abbauplänen der Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) geopfert werden soll. Gromm lebt seit 20 Jahren in Deutschland und war 1992 an die polnische Grenze gezogen, weil er in Ruhe an einem Familienroman schreiben wollte. Mit der Ruhe war es vorbei, als er den brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) in Horno erlebte.
Michael GrommFoto: Roger Melis
Fortan stritt der Schriftsteller am Gubener Runden Tisch und im brandenburgischen Braunkohleausschuß mit dem Aktionskreis „Geil auf Horno“. Er kaufte sich einen Wiesenwinkel im Dorf, das „britische Dreieck“, und bekam nachts immer mal wieder die Autoreifen zerschnitten.
Laubag-Gesamtbetriebsrat Frank Oertel würdigte kürzlich die begonnene Umsiedlung des Kohle-Dorfes Kausche als „beispielgebend“. Kausche zeige, „daß dort, wo Menschen ihre Interessen selbst vertreten und sich nicht durch Dritte mißbrauchen lassen, tragbare Lösungen gefunden werden können“, so Oertel. Die HornoerInnen würden auf diesen „Dummenfang“ nicht hereinfallen, kontert Gromm, „sie haben 18 Jahre lang bewiesen, daß sie sich von niemandem mißbrauchen lassen“.
Optimistisch blickt er dem heute beginnenden Prozeß am Landesverfassungsgericht entgegen: „Die Hornoer verlassen sich auf die Landesverfassung.“ Dem zu erwartenden Streit, ob darin Rechte des sorbischen Volkes als allgemeines Staatsziel oder individuelles Grundrecht festgeschrieben sind, hält Gromm den Staatsvertrag von Berlin-Brandenburg entgegen: „Dort werden die Rechte der Sorben eindeutig als Grundrechte definiert. An diesem Punkt wird Stolpe scheitern!“
Gromm spricht von „Vertreibung“, wenn von „Umsiedlung“ die Rede ist, und er geißelt die „Kulturlosigkeit“ im Stolpe-Kabinett, wenn dort beschwichtigt wird, die Hornoer würden ja innerhalb sorbischen Gebietes umgesiedelt: „Die Sorben werden zusammengepfercht auf einem immer kleiner werdenden Reservat. Eine Kulturlosigkeit, die kennzeichnend ist für die Kohlelobby!“ Nicht Horno verwahrlose, wie Brandenburgs SPD-Finanzminister Kühbacher orakelte, sondern der Umgang mit den Hornoern zeige die „Verwahrlosung der Politik“. Horno werde „bekanntlich immer schöner“. Detlef Krell
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