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Peruanischer Poker

■ Alberto Fujimori kaschiert sein Dilemma durch Härte

Eine Woche ist vergangen, seit ein bewaffnetes Kommando der peruanischen Tupac-Amaru-Guerilla die Gäste des japanischen Botschafters in dessen Residenz in Lima als Geiseln genommen hat – und noch immer ist keine Lösung des Dramas abzusehen. Perus Präsident Alberto Fujimori verhält sich, als gebe es gar keine Geiselnahme. Wenn das Kommando bedingungslos aufgibt, so seine Message, dann könne man weitersehen. Das kann das Signal dafür sein, daß nun auch die Regierung zu pokern beginnt – oder ein Zeichen dafür, wie weit Fujimori von der Realität weg ist, wie wenig er wahrhaben will, was doch gar nicht wahr sein darf.

Fujimori steckt in einem Dilemma. Geht er auf die Forderungen ein, macht er sich innenpolitisch zum Gespött der Menge – sieht er sich doch als Bezwinger des Terrorismus. Läßt er das Gebäude gewaltsam stürmen – falls Japan das gestatten würde –, führt das aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Blutbad auch unter den Geiseln – und das kann sich Fujimori international nicht leisten.

So heißt die Devise weiter: Hinhalten, zermürben, abwarten – und hoffen, daß die Geiselnehmer weiterhin eine „Geste guten Willens“ nach der anderen abliefern. Bislang hat das MRTA- Kommando diese Hoffnungen nicht enttäuscht. Aber irgendwann werden sich die Guerilleros daran erinnern, daß sie es sind, die mit einer Geiselnahme die Regierung unter Druck setzen wollen. Es bleibt zu hoffen, daß sie nicht erst anfangen müssen, einzelne Geiseln zu erschießen, bis sich Fujimori ein wenig flexibler zeigt. Bernd Pickert

Tagesthema Seite 3

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