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Tütenbau im internationalen Vergleich

■ Anatomie des Kiffens: Chinesen würden taz rauchen, weil die Druckerschwärze den Turn verstärkt. Der New Yorker füllt Zigarren

Es ist schon zum Heulen: Noch nie ist es mir gelungen, einen vernünftigen Joint zu drehen. Ob mit meinen besten Freunden oder ganz und gar Unbekannten auf einer Party, immer ist da einer in der Runde, der die Nase rümpft und rumnörgelt, wenn einer meiner zu locker gebauten und völlig unförmigen Tüten an ihn weitergereicht wird. S-förmige Joints, Oma-Joints mit Bauch und am schlimmsten: Tüten, die nach dem Filter einfach abknicken – eine Art Anti-Phallus- Symbol. „Igittigitt, was sind das denn für Blättchen? Ich rolle mal lieber selber einen mit OCBs“, wird stets verächtlich kommentiert.

Ha, daß ich nicht lache, ihr Symmetrie-Ästheten. Ihr redet von Stil, nur weil der Joint nicht so konisch ist, wie es die DIN-Norm vorschreibt! Wahrscheinlich kein Wunder, in einem Land, in dem Nörgeln zur Kultur gehört – woanders sieht man das mit dem Tütenbauen jedenfalls lockerer: Der mediterrane Südländer vermengt Tabak und Dope lässig in der einen Hand, packt die Mischung geschwind auf das Blättchen in der anderen und geht dann nur noch kurz mit der Zungenspitze über die Gummierung. Und schon ist die Tüte fertig gedreht – ohne Filter! Oder nehmen wir den New Yorker Streetboy: Er schwört auf Phillies Blunts, hellbraune Zigarren, die er mit einer Rasierklinge vorsichtig aufschneidet, mit Gras füllt und dann wieder zuklebt. In China dagegen wird häufig Zeitungspapier als Blättchen benutzt, weil die Druckerschwärze den Turn verstärken soll.

All jenen, denen die Kunst des Tütenbauens ein Fremdwort ist oder die wie ich zwei linke Hände haben, kann jetzt aber geholfen werden: Das Unternehmen Poacher – Tütenzauber hat sich in einem strategisch wohldurchdachten Joint-venture mit der Blättchenfirma OCB zusammengetan und eine Joint-Drehmaschine auf den Markt gebracht. Sie sieht eigentlich genauso aus wie einer der überkommenen Siebziger-Jahre- Roller, nur daß sie länger ist („speziell für OCB filigran long paper“) und daß eine der beiden Drehrollen verstellbar ist, damit man den Tabak konisch einlegen kann. Das Motto zu der Weltneuheit in der „kompakten Taschenversion“ lautet „Zu faul zum Bauen...“, was aber leider nicht ganz richtig ist. Treffender wäre gewesen: „Zu dumm zum Bauen...“ Zumindest mich hat es reichlich Schweiß und Mühe gekostet, und ich habe mehrere Versuche gebraucht, ehe ich eine feste, wohlgeformte Tüte aus der Maschine hervorgezaubert habe.

OCB kümmert sich aber auch weiterhin um seine besten Kunden: Das französische Traditionsunternehmen hat kürzlich wasserfeste Blättchen entwickelt (orange Verpackung), damit man selbst inmitten des ärgsten Schauers nicht auf seinen Joint verzichten muß. Auf was müssen wir uns angesichts diversifizierter Kiffer-Interessen wohl noch alles gefaßt machen? Unterwasser-Joints, um auch noch beim Schnorcheln seinen Spaß zu haben, oder Hochgebirgs-Filter, die wegen des niedrigen Sauerstoffgehalts besonders luftdurchlässig sind? Ole Schulz

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