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Quappe

Mein Stammkunde, Herr Studienrat Arnold, sagt ja immer, daß das so Sachen zwischen Himmel und Erde gibt, wo sich de Schulweisheit nix von träum' läßt, aber de Weisheit vonne Schulbehörde schon, also, daß die irgendwie Weltklasse auffen Gebiet vonne Träumereien sind. Da hat seine oberste Dienstherrin ein Reformkonzept vorgelegt: QUAPPE. Danach soll'n de Lehrer bis zu ihrn 70. Lebensjahr unterrichten. Naja, wie das Leben so spielt, kriegt Studienrat Arnold neulich 'ne Einladung zu sonne Art Talkscho, wo seine oberste Scheffin auch eingeladen war. Und Herr Arnold legt denn auch los, daß die vonne Schulbehörde alle Traumtänzer sind. Und er serviert ihr noch den Slogän von der Gewerkschaft: QUAPPE HALT DIE KLAPPE! Denn ist die Bildungsdame derartig über ihn hergefalln, daß er kein Bein mehr auffe Erde gekriegt hat! Und er muß nu zugeben: Sie hat Recht gehabt mit ihre Argumente! Hat er mir denn auch erklärt: „Ich habe neulich mal in einer Stunde eines nur 65jährigen Kollegen hospitiert. Seine Gedächtnislücken und wie schlagfertig seine Schüler darauf reagierten, das hatte schon einen hohen Unterhaltungswert (der sich mit zunehmendem Alter der Unterrichtenden noch ausbauen läßt). Unsere Lehranstalt hat sich nämlich auf ,Comedy-Show' spezialisiert. Für 50.- können die Zuschauer AKTIV an einer Unterrichtsstunde ihrer Wahl teilnehmen und dürfen den Pädagogen beispielsweise mit Papierkugeln und leeren Getränkedosen bewerfen. Das waren schließlich die einzigen Lichtblicke ihrer eigenen Schulzeit. „Und das alles auf Kosten vonne Pädagogen?“frag' ich und kann das gar nicht glauben. „Was heißt hier Kosten?“antwortet Herr Arnold. „Viele Kollegen GENIESSEN die neuen Unterrichtsformen sogar, weil man ihre Darbietungen zum ersten Mal akzeptiert. Wir hatten da einen genialen Germanisten im Programm, wenn der sich mit dramatischer Geste ans Herz griff, dagegen war sogar Bernhard Minetti ein Stümper.“„Wieso hatten?“frag ich. „Nun ja, sein letzter großer Auftritt war wohl doch keine schauspielerische Leistung. Er ist mit violettem Gesicht umgefallen und liegengeblieben.“

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