: „Datenhandschuh“ läßt Stumme sprechen
■ Bremer holen bei „Jugend forscht“ drei Preise mit Erfindungen für behinderte Menschen
Bensheim/Bremen. Ein „Datenhandschuh“ verwandelt das Finger-Alphabet der Gehörlosen in Lautsprache, ein Sensor am Blindenstock meldet Hindernisse: Diese Erfindungen sind keine Zukunftsvision, sondern Realität. Entwickelt wurden die hilfreichen Geräte von Jugendlichen. Erstmals hatte die Christoffel- Blindenmission mit der Stiftung „Jugend forscht“ einen Sonderwettbewerb gestartet, der Erfindungen für Behinderte auszeichnet.
Für den Datenhandschuh wurden Eike Marx und Tobias Strenger mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Die beiden Bremer Studenten entwickelten ein computergestütztes Gerät, das über den Datenhandschuh die Handzeichen des Finger-Alphabets in Sprache umsetzt. Die Töne werden dann über einen Lautsprecher übermittelt. „Damit können sich gehörlose Menschen trotz erheblicher Sprechbehinderung in der Lautsprache verständlich ausdrücken“, sagt Althans.
Thessa Rudolf, ebenfalls aus Bremen, entwickelte ein „akustisches Auge für Sehbehinderte und Blinde“, das an einem Blindenstock befestigt wird. Mit Hilfe eines Sensors können Blinde Hindernisse „hören“. Wie Thessa Rudolf erhielt auch Ulrich Greve aus Pforzheim einen Anerkennungspreis. Er reichte ein System ein, mit dem Taubblinde über Computer mit Hörenden und Sehenden telefonieren können. Ankommende „Gespräche“ werden über eine vibrierendes Gerät gemeldet. Der Behinderte kann dann am Computer per Blindenschrift-Tastatur antworten.
In Zukunft sollen jedes Jahr Erfindungen mit Preisen belohnt werden. Vor allem gehe es darum, daß sie mit wenig Geld realisiert werden können und das Leben behinderter Menschen gerade in Entwicklungsländern erleichtern.
Die Blindenmission hat der vom Niederrhein stammende Pfarrer Ernst Jakob Christoffel 1908 gegründet, als er in der Türkei eine Schule für Blinde und Körperbehinderte einrichtete. 1925 baute er weiter Schulen in den iranischenStädten Tibris und Isfahan auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Christoffel 1950 nach Esfahan zurück und leitete seine Schule bis zu seinem Tod 1955. Nach der islamischen Revolution 1979 wurde die Schule geschlossen. dpa
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen