: Klare Worte gegen sexuellen Mißbrauch
■ Die Präventionskampagne „noXno“ kommt bei den Kindern gut an
Gestern vormittag zog Bezirksstadträtin Elisa Rodé (Bündnis 90/Grüne) im Rathaus Tiergarten eine erste Bilanz der Präventionskampagne „noXno“. Seit 10 Monaten klärt die Kampagne Kinder und Jugendliche über ihre Rechte zur Verhinderung von sexueller Gewalt und Mißbrauch auf. Begleitet wird die Kampagne von Plakaten, die eine deutliche Sprache sprechen: „Manche Erwachsene sind gemein. Die zwingen Kinder, ihren Penis oder ihre Scheide zu zeigen. Das dürfen die nicht.“ Stadträtin Rodé steht hinter dieser deutlichen Sprache: „Wenn wir die Dinge nicht beim Namen nennen, wie sollen sich dann die Mädchen und Jungen darüber äußern?“
Die Kampagne kommt gut an bei den Kindern. Die Broschüren dazu sind in knalligem Gelb und mit grünen Dino-Figuren gestaltet, ähnlich gestaltete Flyer sollen die Aktion bekanntmachen. Unter www.noXno wurde jetzt auch eine eigene Internetseite eingerichtet, wo die Jugendlichen anonym von Psychologen beraten werden. Bei der kostenlosen Telefon-Hotline (08006696676) gehen pro Monat etwa einhundert Anrufe ein. Die Mädchen und Jungen erzählen in den Gesprächen von Gewaltübergriffen auf dem Schulweg, daß sie von Mitschülern gezwungen werden, ihre Jacke abzugeben, von Konflikten mit den Eltern, von Liebeskummer und auch von sexuellen Belästigungen.
Aus diesen Gesprächen wurden kostenlose Selbstbehauptungstrainings entwickelt, die seit einem halben Jahr angeboten werden. Dort lernen Kinder und Jugendliche in kleinen Gruppen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und Grenzen zu setzen. „Das ist unser Renner. Wir haben inzwischen eine Warteliste von achtzig Kindern“, so Rodé.
Für die Zukunft plant die Stadträtin spezielle Kurse für türkische Kinder. „Unsere Erfahrung zeigt, daß hier der Schwerpunkt von Selbstbehauptung auf gewaltfreie Konfliktbewältigung gelegt werden sollte.“ Außerdem sollen Seminare für Erwachsene zum Thema gewaltfreie Erziehung angeboten werden. Ob diese Pläne realisiert werden können, ist jedoch noch unklar. Die Haushaltsmittel des Bezirkes sind gesperrt. Nach Angaben von Rodé werden etwa 20.000 Mark, benötigt, um die Vorhaben durchführen zu können. Julia Beeck
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen