: Rußlands Demokraten bringen sich in Stellung
■ Großdemonstration in Moskau fordert Einigung der zersplitterten Reformbewegung
Moskau (dpa) – Tausende Anhänger demokratischer Bewegungen haben am Samstag in Moskau auf einer Demonstration dazu aufgerufen, keine kommunistischen Rückfall in Rußland zuzulassen. Nach Schätzungen der Polizei zogen etwa 20.000 Menschen durch das Zentrum Moskaus. Es sei eine der größten Demonstrationen demokratischer Bewegungen in Rußland seit Ende der Sowjetunion gewesen, berichtete der Fernsehsender NTW.
Auf der Kundgebung forderte der frühere erste stellvertretende Ministerpräsident Boris Nemzow, die zersplitterten reformorientierten Kräfte müßten bei den Parlamentswahlen Ende dieses Jahres vereint antreten. Nemzow gehört zur Führung der reformorientierten Bewegung „Rechte Sache“. In seiner Rede betonte er, Rußland dürfe sich nicht in den Krieg auf dem Balkan hineinziehen lassen.
Scharfe Kritik an Regierungschef Jewgeni Primakow und dessen kommunistischen Stellvertreter Juri Masljukow übte der Chef der Partei „Demokratische Wahl Rußlands“, Jegor Gaidar, der ebenfalls an der Demonstration teilnahm. Primakow und Masljukow wollten den Eisernen Vorhang wieder herunterlassen und arbeiteten „daran, Rußland in den Krieg in Jugoslawien hineinzuziehen“.
Der frühere Ministerpräsident Wiktor Tschernomyrdin betonte auf dem Parteitag seiner zentristischen Bewegung „Unser Haus Rußland“, nur ein wirtschaftlich und politisch starkes Rußland könne eine führende Rolle in der Welt spielen. Rußland könne erst dann wieder Einfluß auf die weltpolitische Lage nehmen, wenn es auch sozial und geistig geeint sei.
Der Moskauer Bürgermeister und Präsidentschaftsanwärter Juri Luschkow kritisierte in Jaroslawl auf dem Parteitag seiner Bewegung „Vaterland“ dagegen die Nato-Angriffe.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen