■ Das Diepgen des Tages: Quinn's Irish Pub
Irische Kneipen vermehren sich in Berlin wie Karnickel. Sie zeichnen sich durch unverschämte Preise, ein paar grünliche Dekorationen und Trinklieder vom Band aus. Das reicht offenbar: Nicht nur den Exil-Iren zieht es an die heimische Tränke, auch der hibernophile Berliner mag es irisch-fröhlich.
Quinn's Irish Pub in der Schönhauser Allee ist allerdings so irisch wie die Kremlkantine: ein hoher Saal mit Holzbalustraden, die Decke wie ein fernöstliches Waschhaus dekoriert. Darunter geht es auf zwei Ebenen weiter – oder auch nicht: Quinn's liegt im Osten, und da wird immer noch platziert. Die mittlere Ebene ist gesperrt. Und die Herrenrunde am Ecktisch? „Das ist der Manager mit seinen Gästen.“ Oha.
Bis Anfang des Monats gehörte der Laden Sean Quinn, der auch einen Pub in Dublin besitzt. Das dazugehörige Restaurant im ersten Stock heißt „C. J.'s“, benannt nach Quinns Busenfreund Charles James Haughey, dem korruptesten Premierminister, den Irland je hatte.
Inzwischen ist das Wirtshaus in der Schönhauser Allee an einen Heidelberger Kneipier verkauft worden. Guinness, das Nationalgetränk, gibt es in dem Laden nicht, sondern nur die süßliche Murphy's-Brühe. Und wenn man mit mehr als vier Leuten anrückt, gibt es Probleme. „In Deutschland“, erklärt die freundliche Bedienung, „muss man in den Kneipen Tische reservieren. Wir sind ja nicht in Irland.“ Wenigstens das Männerklo ist authentisch: Die Toilettenbrille ist nass, der Ire hält das Hochklappen vor dem Stehpiss für Zeitverschwendung. Molly Bluhm
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