In eigener Sache

Eine neue Heimat

Die taz erwägt den Neubau des Verlagshauses. Die GenossInnen reagieren überwiegend positiv.

„Hauspredigt“: Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch erläutert die Baupläne der taz. Bild: Jonas Maron

BERLIN taz | Der Paukenschlag kam ganz zum Schluss der Versammlung der taz-GenossInnen am Samstag: Die Zeitung überlegt, ein neues Haus zu bauen. „Es gibt die Idee, sich 450 Meter weiter anzusiedeln“, sagte Verlagsgeschäftsführer Karl-Heinz Ruch. Die taz hat sich dort um ein landeseigenes Grundstück in der Friedrichstraße in Berlin-Kreuzberg beworben. Der Neubau wäre „ein Projekt irgendwo zwischen 17 und 20 Millionen Euro“, sagte Ruch. Die Entscheidung soll in den nächsten Monaten fallen.

Die taz ist derzeit auf zwei Standorte verteilt. „Es wäre eine gute Idee, wieder unter ein Dach zu kommen“, sagte Ruch. In der Rudi-Dutschke-Straße gleich um die Ecke des Checkpoints Charlie hat die taz 3.000 Quadratmeter Bürofläche, die ihr selbst gehören. Die Arbeitsbedingungen in dem Altbau seien nicht optimal, sagte Ruch: „Es ist vorne laut, in der Mitte dunkel und hinten heiß.“ Weitere 1.500 Quadratmeter sind angemietet in einem Bürogebäude an der nächsten Ecke, wo hauptsächlich die Verwaltung untergebracht ist.

Aber ist der Zeitpunkt günstig? Kurz zuvor sprach Ruch noch von einem Verlust von 617.000 Euro im Jahr 2012. Die taz gehört einer Genossenschaft mit annähernd 14.000 Genossen, die bis Ende 2013 rund 13 Millionen Euro als Eigenkapital einbezahlt haben. Dieses Geld darf aber nicht in großem Umfang verwendet werden, um die jährlichen Verluste der taz zu decken. Es dient vielmehr für Investitionen in neue journalistische und verlegerische Projekte. Die restlichen Mittel sind derzeit als Festgeld bei einer ethisch wirtschaftenden Bank angelegt mit mageren 0,5 Prozent Zinsen. „Es gibt eigentlich keine bessere Idee der Vermögensmehrung als mit einem neuen Gebäude in der Friedrichstraße“, so Ruch.

Ruch stellte den Neubau in eine Reihe mit historischen taz-Ereignissen: der tunix-Kongress 1978, das erste Erscheinen der täglichen Ausgabe 1979, der Kauf des bisherigen Stammsitzes 1989, die Gründung der taz-Genossenschaft 1992. Der Bau eines neuen Hauses wäre „ein Projekt für die nächsten 20 Jahre“, sagte Ruch.

„Nicht unser Geschäftsmodell“

Und die Medienkrise? Gibt es die taz in 20 Jahren überhaupt noch? „Es ist nicht unser Geschäftsmodell, das in die Krise gerät“, sagte Ruch. Die taz hat sich schon immer zu einem vergleichsweise geringen Teil durch Anzeigen finanziert – und dieser Teil blieb in den letzten Jahren stabil bei rund 10 Prozent der Gesamteinnahmen. Bei anderen Tageszeitungen lagen die Anzeigeneinnahmen bei etwa zwei Dritteln der Gesamteinnahmen und sind in den letzten Jahren auf die Hälfte oder ein Drittel der Einnahmen geschrumpft.

Das neue Grundstück liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Blumengroßmarktes. Das Geld für den Bau soll teils von den taz-GenossInnen kommen, teils über eine Bankhypothek und vielleicht auch – ähnlich wie bei Unternehmensanleihen – über eine stille Gesellschaft, die eine feste Rendite auszahlt. Die taz könnte die Kosten für die angemieteten Räume sparen und zudem neue Einnahmen durch die Vermietung der bisherigen Räume generieren. Der Umzug würde dann im Jahr 2017 anstehen.

Bei den GenossInnen wurde die Neuigkeit überwiegend positiv aufgenommen. Einer hatte auch schon einen Vorschlag, wie die Straße vor dem Gebäude umbenannt werden sollte: Che-Guevara-Straße. Schließlich war es auch die taz, die anregte, dass die Straße vor dem derzeitigen taz-Gebäude nach Rudi Dutschke benannt werde. Che Guevara dürfte allerdings schlechte Chancen haben – denn inzwischen hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beschlossen, Straßen und Plätze nur noch nach Frauen umzubenennen.

Minus von gut 600.000 Euro

Der finanzielle Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr ist allerdings nicht erfreulich. „2013 wird noch mal ein Problemjahr, da kriegen wir sicher keine schwarze Null hin“, sagte Aufsichtsratsmitglied Johannes Rauschenberger. Im Vorjahr war der Umsatz leicht um 30.000 Euro auf 25,9 Millionen Euro zurückgegangen.

Der größte Einnahmeposten sind nach wie vor die Abonnements mit 18 Millionen Euro, die allerdings 243.000 Euro weniger brachten als im Vorjahr. Bei den Ausgaben stiegen etwa die Kosten für Löhne und Gehälter um 433.000 Euro sowie die Raumkosten etwa für Mieten um 150.000 Euro. Unter dem Strich stand so das bereits erwähnte Minus von gut 600.000 Euro. Die taz hofft, die entstandenen Rückgänge durch neue Einnahmequellen wie das Wochenendabo, die Ökozeitung zeo2 oder das freiwillige Bezahlen für Artikel auf taz.de abzufedern.

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