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Kutschma lässt Gegnerin festnehmen

Ukraines Opposition kritisiert die Verhaftung der früheren stellvertretenden Ministerpräsidentin Julia Timoschenko

KIEW ap ■ Das ukrainische Oppositionsbündnis Nationales Rettungsforum will sich von der Festnahme der früheren stellvertretenden Ministerpräsidentin Julia Timoschenko nicht einschüchtern lassen. Die Festnahme der Forum-Politikerin sei ein Versuch der Vertrauten von Präsident Leonid Kutschma, sich einem gerechten Prozess des Volkes zu entziehen, erklärte das Bündnis am Mittwoch. Timoschenko soll in einen Korruptionsskandal verwickelt sein.

Kutschma hatte Timoschenko Mitte Januar entlassen, nachdem die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft Anklage wegen Diebstahls von drei Milliarden Kubikmeter russischen Erdgases und Steuerhinterziehung gegen die Politikerin erhoben hatte. Sie soll ihren Vertrauten, dem früheren Ministerpräsidenten Pawlo Lasarenko, 79 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt haben. Lasarenko floh 1999 aus der Ukraine und befindet sich derzeit unter dem Verdacht der Geldwäsche in den USA in Untersuchungshaft. Timoschenko hat die Vorwürfe energisch zurückgewiesen. Nach Darstellung des Bündnisses erfolgte die Festnahme am Dienstag als Strafe für ihre Rolle in der Opposition und wegen ihrer Reformen im Energiesektor.

Kutschma geriet in den vergangenen Wochen unter erheblichen Druck. Im Zusammenhang mit dem Verschwinden des kritischen Journalisten Georgi Gongadse verlangten am Wochenende erneut tausende Menschen den Rücktritt des Staatsoberhaupts. Die Opposition macht den Geheimdienst für das Verschwinden von Gongadse verantwortlich.

Ministerpräsident Viktor Juschtschenko rief am Mittwoch zu einem friedlichen Dialog der politischen Kräfte des Landes auf. Der Weg sozialer Konflikte führe in eine Sackgasse, sagte der populäre Reformpolitiker Juschtschenko, dem von dem Oppositionsforum vorgeworfen wird, er habe sich auf die Seite Kutschmas geschlagen.

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