: Spritsparen durch Rollen im Pufferabstand
In speziellen Fahrkursen lässt sich lernen, wie man durch die richtige Fahrweise eine Menge Sprit spart. Nachdem die Benzinpreise jedoch wider Erwarten kaum steigen, ist das Interesse der AutofahrerInnen gering. Dabei blieben ihnen nach einem Kurs ein paar hundert Mark im Jahr für andere Dinge übrig
von NORBERT PAGEL
Wir erinnern uns noch allzu gut. Als im letzten Jahr die Benzinpreise die „2-Mark-Schallmauer“ durchbrachen und weiter anstiegen, mobilisierten die Boulevardpresse, aber auch „seriöse“ Medien gegen den „Benzin-Wahnsinn“. Gerade so, als ob der Untergang des Abendlandes unmittelbar bevorgestanden hätte. Das Geschrei von gestern ist erst einmal verklungen. Der Grund: Nach den letzten Rekordniveaus im April diesen Jahres ist der Liter Normalbenzin nun wieder für etwa 1,90 Mark zu haben. Geblieben sind Fahrkurse mit Tipps zum Spritsparen, die von einigen Autoherstellern und Automobilklubs angeboten werden.
Doch obwohl mit einer durchschnittlichen Benzinersparnis von 25 Prozent geworben wird, die sich im Portemonnaie mit mehreren hundert Mark pro Jahr auszahlen kann, nimmt nur eine kleine Minderheit der KraftfahrzeugfahrerInnen die Kurse in Anspruch. „Es könnten wesentlich mehr Autofahrer an unseren Trainings teilnehmen. Unsere Kapazitäten sind längst nicht erschöpft“, erklärt Isfried Hennen, Leiter für Umweltkommunikation bei Ford. Viele meinen, dass sie „schon sparsam fahren, oder sind nicht bereit, die zirka 200 Mark für den Kurs zu zahlen“. Hennen hatte Mitte Juli anlässlich einer Promotion-Aktion zum so genannten „Eco-Driving“ bei einem Berliner Fordhändler eingeladen, an dem auch der taz-Autor teilnahm.
Das Fahrtraining läuft folgendermaßen ab: Es wird dreimal eine festgelegte Strecke von mehreren Kilometern Länge im Straßenverkehr abgefahren. Die erste Runde soll man im gewohnten Fahrstil zurücklegen. Anschließend folgt dann ein theoretischer Teil, in dem die TeilnehmerInnen die Spartipps kennen lernen. Ist dieser absolviert, geht es in die zweite Fahrrunde. Diesmal werden die theoretisch erworbenen Tipps und Tricks mit der tatkräftigen Unterstützung eines Fahrlehrers in die Praxis umgesetzt.
Im neu erlernten Fahrstil wird dann die dritte und letzte Tour ohne den Fahrlehrer bestritten. Durch einen Vergleich des Kraftstoffverbrauchs in der ersten und dritten Runde wird abschließend die Benzinersparnis ermittelt. Und – der Effekt ist beachtlich. So ist es dem taz-Autor gelungen, den Verbrauch von 9,9 auf stolze 7 Liter pro 100 Kilometer zu reduzieren – eine satte Ersparnis von 29,3 Prozent. Das Ergebnis wird in einer Urkunde verbrieft, die man sich zu Hause an die Wand hängen kann.
Hinsichtlich der Spartipps unterscheiden sich die angebotenen Fahrkurse kaum. Entscheidend ist, immer im höchstmöglichen Gang zu fahren. Die Faustregel lautet: bei Tempo 30 in den dritten, bei 40 km/h in den vierten und ab 50 km/h in den fünften Gang hoch schalten. Zu frühes Hochschalten macht sich durch ein „Ruckeln“ des Wagens bemerkbar. Weitere Tipps für weniger Spritverbrauch: Pufferabstand zu anderen Fahrzeugen halten; auf Stoppschilder und rote Ampeln zurollen; bei längeren Stopps, zum Beispiel an roten Ampeln oder Bahnschranken, den Motor abschalten; Kurzstreckenfahrten vermeiden. Auch mit Maßnahmen, die unabhängig von der eigenen Fahrweise sind, lässt sich der Benzinverbrauch reduzieren: zum Beispiel durch den richtigen Reifenluftdruck oder das Entfernen von Ballast wie Kofferrauminhalt oder Dachgepäckträgern.
Unterschiede gibt es dagegen beim Ablauf der Fahrtrainings. So kann die Anzahl der Praxisfahrten verschieden sein. Außerdem finden die Fahrten nicht bei allen Anbietern im realen Straßenverkehr statt, sondern zum Teil auf abgesperrten Trainingsarealen. Während die KursteilnehmerInnen beim ADAC Berlin-Brandenburg ihre eigenen Pkws mitbringen müssen, setzt man sich bei den Kursen der Hersteller in deren neueste Modelle. Auf diese Weise können die jeweiligen Autohändler gleich noch ein bisschen Werbung für ihre Produkte machen. Bei den Händlern kann man sich auch für die Kurse der Autohersteller anmelden und vorab informieren. Die Preise für die Spritsparkurse bewegen sich überall um etwa 200 Mark. KundInnen können aber auch handeln, und ADAC-Clubmitglieder zahlen weniger als Nichtmitglieder.
Autofirmen und Automobilclubs betonen stets, dass sie die Teilnehmenden nicht zu „Verkehrshindernissen“ erziehen wollen. Soll heißen, im neuen sparsamen Fahrstil soll nicht langsamer gefahren werden als bisher. Alles andere wäre wohl auch eine Überraschung gewesen.
Wenig überraschend ist auch, dass sich am meisten Benzin immer noch durch einen Verzicht aufs Auto einsparen lässt. Füße, Inline-Skates, Fahrrad, Bus oder Bahn sind da eine gute Alternative.
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