: Duell zwischen Ost und West
Man muss sich schon mal entscheiden: Für den Mundharmonikavirtuosen oder doch eher den edlen Chingachgook?
Eigentlich war der Western schon mausetot. Alle Mythen zerschossen. Ein verstaubter Planwagen, der so richtig im Dreck festsaß. Kein Studioboss wollte da auch nur einen Cent darauf verwetten, bis in den Sechzigern einigermaßen unerwartet das Stammland der amerikanischen Pioniere von allerlei Gastarbeitern frisch kolonisiert wurde. Da waren Visionäre darunter, die den neuen Western mit der Leidenschaft von Fans drehten, während andere immerhin beste Arbeit nach bürgerlicher Vorschrift leisteten und einem so den Winnetou bescherten. Höhepunkt und Apotheose des Italowestern ist dabei natürlich Sergio Leones barocke Pferdeoper „Spiel mir das Lied vom Tod“, die im Originaltitel noch den märchenhaften Ton anklingen lässt: „C’era una volta il west“. Es war einmal … dieses Ringen der Leidenschaften, Schuld, Sühne, Gewalt. Und der Traum von einer Weite, der ganze Westen. Was wirklich nur auf der großen Leinwand zu erleben ist (wer den Film mal im Fernsehen gesehen hat, darf sicher sein, dass er ihn nicht wirklich gesehen hat). Am Dienstag besteht dazu Gelegenheit im Freiluftkino Kulturforum am Potsdamer Platz. Was gleich zu einem Western-Showdown führt, weil in der gleichen Nacht weiter im Osten im Freiluftkino Friedrichshain der Defa-Berufsindianer Gojko Mitič in „Chingachgook – Die große Schlange“ mit den erbitterten Stammesfehden zwischen den Huronen und Delawaren zu schaffen hat. Ein Beispiel aus der Indianerfilmproduktion im Osten, von 1967. Ein Jahr vor „Spiel mir das Lied vom Tod“.
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