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vorlauf kunst Brigitte Werneburg schaut sichin den Galerien von Berlin um

Blüten mehr als Blumen haben es Daniela Florsheim angetan. Die Beuys-Schülerin, die an ihren Meisterschüler ein Studium des Hebräischen, der Kunstgeschichte und Archäologie anhängte, tuscht sie in satten Wasserfarben auf das große Quadrat ihrer Leinwände. Blau, Gelb oder ein strahlendes Grün leuchten kräftig und doch transparent, und ein sattes Rot erinnert an Mohn und Orient. Tatsächlich rührt die provokative Idee solch blumiger Schönheit von einer Reise nach Madagaskar her, wo Florsheim kleine Postkarten vom ubiquitären Hibiskus aquarellierte. Hans Martin Lorch, der mit dieser Ausstellung die Galerie Lorch + Seidel in der Tucholskystraße 38 eröffnet, fragte die Künstlerin, ob sie sich diese Motive auch auf der Leinwand vorstellen könne. Schönerweise konnte sie.

Um Schönheit, freilich eher der morbiden Art, geht es auch Nina Fischer & Maroan el Sani bei Eigen + Art. Ihr Modell des Klubs der Republik (KdR), einer „handlichen Ruine“, wie in der Einladung treffend zu lesen ist, sieht einigermaßen trist aus. Wie eben der Palast der Republik, der für das Modell Modell stand. Dass der Bau nachts, wenn es dunkel wird, zu einem großartigen Dancefloor mutieren könnte, glaubt man sofort. Schon weil aus dem Innern der Pappkiste eine ziemlich geiler „Rhythmus 76“ von Carsten Nicolai wooft. Auch die großen Farbfotografien, auf denen der asbestentseuchte Palast zu sehen ist, bestätigen die Idee des KdR, auch wenn man das fantastische Interieur der Milchbar vermissen wird, das in einem Holzrelief in Erinnerung gerufen wird. KdR, das ist die opulent intelligente Fortsetzung der Klubrecherche, mit der Nina Fischer & Maroan el Sani auf der manifesta 4 in Frankfurt vertreten waren.

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