• 21.11.2012

Die bürgerliche Zeitung war immer mehr als ein Medium der Information. In ihren Überlebenskämpfen gibt sie nun preis, wozu sie geschaffen wurde.

Ein Fels im Meer der Trivialität

KOMMENTARvon Georg Seeßlen

  • 27.11.2012 15:42 Uhr

    von Weg damit!:

    Bürgerliche Zeitungen sind immer staatstragend und nicht fähig tiefgreifende Kritik am System und seiner herrschenden Klasse zu äußern, sie gehören daher, wie so vieles, endlich auf den Scheiterhaufen der Geschichte.

  • 25.11.2012 11:35 Uhr

    von Bauer:

    Eitelkeit, Arroganz, Bosheit... Der Autor hat richtig erkannt, worum es in vielen Tageszeitungen ging. Warum soll man so mit sich umgehen lassen in Zeiten, wo man ein Zeitungsabo noch nicht einmal mehr kündigt, sondern einfach den Tab seines Browsers schließt.
    Es ist die Lüge und die Heuchelei, mit der sich Tageszeitungen in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen eine Scheinrealität zusammenspinnen. Ich lese am Tag ca. anderthalb Stunden Nachrichten und Kommentare. Medien, die ihren Kommentarbereich zensieren bzw. erst gar keinen eröffnen, sind für mich in ihrer Glaubwürdigkeit mittlerweile von vornherein beschränkt. Nachrichten und dazugehörige Meinung werden immer mehr nicht mehr konsumiert, sondern in Online-Diskussionen auf Gehalt geprüft. Mittlerweile lese ich die Kommentarbereiche eines Online-Artikels aufmerksamer als den Artikel selbst... Die Zeitung von morgen wird weniger etwas von "So ist das!!!" und mehr etwas von "Wie findet ihr das?" haben... Find ich gut, weil das Demokratie deutlicher abbildet!

  • 23.11.2012 16:25 Uhr

    von jan:

    Der Zustand der kritischen Intelligenz in Deutschland ist deplorabelst. Als ob eine Aneinanderreihung von Wortklischees einen Gedanken ergäben.

    Wo bleibt der Luhmanpfeffer und die Tatsache, dass ein System (Presse) sich wehren muss, wenn es von einem anderen (Wirtschaft)attakiert wird?? Wo die Benennung des unsäglichen Missbrauchs des Wortes "liberal"? Schon Locke stelle die behauptete Harmonie der privaten und öffentlichen Interessen unter den zwingenden Vorbehalt, dass die Bürger zugleich klug und fromm sein müssten. Und J.S. Mill würde heute von Westerwelle mit Schaum vor dem Mund als Linksextremist verhetzt, der babylonische Zustände für die fiesen Faulenzer.. usw... *würg*

    Was zum Kuckuck hat maridierende neoliberale Oligarchie mit Bürgertum zu tun? Und wenn man mit der "Tante", die dem Kapital den Schwanz lutscht, hausieren geht, dann sollte doch bitte der Name NZZ nicht unterschlagen werden.





  • 22.11.2012 16:57 Uhr

    von Fritz:

    Dass dieser dialektische Lobgesang auf die "bürgerliche Zeitung" in der TAZ erscheint, ist ja vielsagend. But it's not over until it's over ... diesen Text lese ich ja jetzt im Netz. An mir selbst - klassischer blödsinniger Zeitungsverschlinger seit der Jugend - mache ich überhhaupt die Beobachtung, dass ich noch nie so viel journalistische Ware zu mir genommen habe wie jetzt. Das Netz ist ja das Schlaraffenland des Zeitungslesers. Vielleicht kommen die Tagesnachrichten ja doch noch auch und gerade im Netz ihrer ursprünglichen Utopie näher, sobald wir mir der Übergangskrise durch sind? Das hängt allerdings an den Lesern und Schreibern, nicht mehr an den Verlegern.
    Nebenbei: Schön wie Seeßlen selbst demonstriert, was er an der Zeitung geliebt hatte.

  • 22.11.2012 10:39 Uhr

    von JMS:

    Ich finde es seltsam, dass in einer Zeitung darüber berichtet wird, dass sie als Statussymbol gelten sollte oder galt.
    Das hört sich bei mir so an, als wolle ein Medium seinen PLatz behalten.
    Das es andere Möglichkeiten gibt sich zu informieren, teilweise mit wesentlich mehr Fachwissen als in den Zeitungen, wird einfach abgehandelt als "ist so nicht wahr". Natürlich befindet man sich in einer Info-Bubble wenn man nur Google nutzt und dann Informationen bekommt die einen bestätigen. Aber zu oft habe ich mich über schlecht recherchierte Berichte aufgeregt. Hier gilt meiner Meinung nach der alte Spruch: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die ... halten!" Wenn ich also nach Spezialwissen suche, dann nicht mehr in einer Zeitung, der ich inzwischen auch leider keine investigative Recherche mehr zutraue.

    Die Zeitungen haben sich an den Markt gewand und wollten scheinbar keine "Schwere Kost" mehr leifern. Dann sollen sie auch damit leben, dass sie aussterben. Sie machen keinen Unterscheid mehr zu den verschiedensten Blogs und wenn sind sie meistens schlechter informiert. Mit dem Leistungsschutzrecht haben sie sich auch nicht unbedingt Freunde gemacht, wenn man bedenkt, wie viele Authoren bezahlt werden.

    Ergo: Die Zeitungen nehmen sich meiner Meinung nach wichtiger als sie sind und wollen es zum großen Teil nicht einsehen. Wenn es in Zukunft keine mehr geben sollte werde ich ihnen nicht nachweinen sondern mir das breite Angebot aus dem Netz holen. Da habe ich mehr Meinungen und oft auch mehr INformationen als auf Papier.


    @Carlos Y Arragon: Warum ist es bitte kulturpessimistisch, wenn über ein Aussterben der Zeitungen geredet wird? Weil es ein liebgewonnenes Medium ist? das glaube ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass eine Elite sich die Zeitung erhalten wird, um eine Sonderstellung aus zu machen. Es wird eher nach den "Ewig Gestrigen" aussehen, die sich nicht daran gewöhnen wollen, dass das Papier nicht mehr benötigt wird.

  • 22.11.2012 09:47 Uhr

    von Carlos Y Arragon:

    Gute Analyse, dennoch mit einer immensen Schwäche: Alle Tageszeitungsleute blenden in ihren Kommentaren leider viel zu gerne eine ebenso einfache wie niederschmetternde Wahrheit aus: Die Tageszeitung und wie sie Neuigkeiten aufbereitet (egal ob bürgerlich oder blutrünstig) wird immer weniger gefragt sein. Diese Entwicklung läuft ab, ohne dass sie es ändern könnte. Und es nützt ihr auch nichts, sich zu ändern oder eine andere Richtung einzuschlagen, weil sie bei allen Änderung und Anpassungen stets (die nicht mehr so gefragte) Tageszeitung bleiben wird.

    Es ist doch eine einfache Rechnung: In 10 Jahren wird eine komplette Generation in ein für Medien wirtschaftlich interessantes Alter kommen, die seit ihrem (heutigen) 13. Lebensjahr zur Informationsbeschaffung NUR das Smartphone und soziale Netzwerke kennt. Und selbst wenn ein paar Wenige darunter sind, die ab und zu zu einer Tageszeitung greifen, die Tageszeitung wird ein Nischenprodukt sein.

    Ich bin kein Kulturpessimist, ich bin überzeugt, es wird weiterhin Tageszeitungen geben. Aber eben als teures und exklusives Nischenprodukt für eine vermeintliche Informations- und Bildungselite, die selbstverständlich alle dann modernen Medien eifrig nutzt, die Tageszeitung aber als äußeres Zeichen ihrer elitären Stellung braucht (so wie man vor 15 Jahren einen Blackberry gebraucht hat, um zu dieser Elite zu gehören).

    Warum ich davon überzeugt bin? Weil in einer Welt, die sich immer schneller dreht und nachrichtenmäßig hyperventiliert, "Entschleunigung" ein Elitenmerkmal sein wird - und eine Tageszeitung (übrigens auch Wochenzeitungen usw.) sind Entschleunigung in ihrer intellektuellen Form.

  • 21.11.2012 16:48 Uhr

    von ello:

    Wenn einer nix zu sagen hat, dann schreibt er so einen Quark wie Seeßlen.

  • 21.11.2012 14:29 Uhr

    von Caro:

    Es ist immer wieder ein intellektuelles, ästhetisches und sinnliches Vergnügen, die Kommentare von Herrn Seesslen zu lesen. Grade weil auch Widersprüche eingefangen, ausgelotet werden und gedankliche Differenzierungen stattfinden. Die Texte eröffnen immer wieder Räume, wo es Spass macht, weiter zu denken, Querverbindungen zu entdecken und zu scheinbar bekannten Dingen neue, ungewohnte Perspektiven zu entwerfen. Der Stil ist einmalig und unverwechselbar. Ganz großes Kino! Danke!

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