piwik no script img

Video der WocheDenk ich an Pizza in der Nacht

Vergesst Dale Carnegie! Denkt an Pizza und Saft! Ein Sechsjähriger erklärt, wie man durch Autosuggestion Ängste abwehrt.

BERLIN taz | Ich habe irrationale Ängste. Angst, dass ich verrückt werde, Angst, dass ich wie meine Mutter werde, Angst, dass ich lebensunfähig bin. Mein Gegenüber hilft mir sanftmütig, mir meine Stärken bewusst zu machen. Was ich alles kann, was ich alles bin, was ich alles schon erreicht habe.

Diese neuen Gedanken sind aber schwächer als die Angst. Sie kommen nicht dagegen an. Mein Gegenüber sagt: „Erst kommen die negativen Gedanken, daraus entsteht die Angst. Folglich sind positive Gedanken genauso stark wie die Angst, denn Angst begründet sich auch nur auf Gedanken. Sie haben die Waffen selbst in der Hand, Sie können die negativen Gedanken durch positive ersetzen. Positive Gedanken erzeugen Wohlgefühl. Wohlgefühl verdrängt die Angst“.

Aha. Wenn's denn mal so einfach wäre. Abends liege ich im Bett und höre mir Luise Reddemann an. „Denken Sie sich an einen Ort, der genau Ihren Vorstellungen entspricht. Er sieht so aus, wie Sie es möchten, er riecht, wie Sie es möchten, er fühlt sich so an, wie Sie es möchten“. Mein Raum ist kahl und kalt, er riecht nach feuchten Steinen und Stroh.

Empfohlener externer Inhalt

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob Sie dieses Element auch sehen wollen:

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Das ist alles schon eine Weile her, irgendwie hat es dann doch wieder funktioniert, das Leben. Hätte ich damals das Video von Bianca Giaever gesehen, in dem der sechsjährige Asa Baker-Rouse seinen Umgang mit angsterzeugenden Gedanken erklärt... Vielleicht wäre mir einiges erspart geblieben.

Er denkt an Pizza, Saft, Baiser, einen Keks, einen Keks mit Schokochips drauf, einen Haferflockenkeks in Form eines Klaviers, ach nein, eines Keyboards, er denkt an Milch. „Die Angst hat Angst vor Dingen, die du liebst“. Minus mal Minus gibt Plus.

Auf der Facebookseite von Bianca Giaever schreibt eine Laura V.: „Wahnsinn. Ich bin Therapeutin und möchte meinen Klienten sagen, dass sie sich dieses Video angucken müssen.“ Dazu kommt noch die traumhafte Musik von Alpenglow.

Wenn Sie nie Angst vor etwas hatten, ist dieses Video ein süßes Beispiel dafür, wie man die Gedanken eines Sechsjährigen visualisieren kann. Wenn Sie jemals Angst kennenlernen mussten, ist dieses Video eine achtminütige Therapiesitzung. Nein, besser.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare