wortwechsel: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern
Wenn Menschen entscheiden, wer wie auf die Welt kommt, scheint eine genetische Optimierung zukünftiger Gesellschaften nah. Kanzler Merz und die 80-Prozent-Fantasie
Vermeidungstaktik
wochentaz vom 28. 3. – 3. 4. 26
Offen gestanden halte ich den Text für großen Mist, weil er extrem einseitig ist, was das Wegsehen betrifft. Das zentrale Thema ist doch die atomare Bewaffnung, deren vorübergehende vertragliche Behinderung nur mit einem Satz angesprochen wird. Trump als Verursacher des Vertragsbruchs wird vornehm umgangen – ein Wegsehen?
Und das jahrzehntelange Leid der Palästinenser, die fortwährende Nadelstichpolitik Israels zum Beispiel in Jerusalem und im Westjordanland (die nun offen verfolgt wird), die fehlende Konsequenz des Westens auf der Suche nach einer Lösung der Palästinafrage – ist das alles kein oder nicht sogar das entscheidende Wegsehen?
Jürgen Weinert, Birkenwerder
Identität der Grünen
„Ist Cem Özdemir doch der richtige Grüne?“,
wochentaz vom 4. 4. – 10. 4. 26
Eine Rückfrage habe ich zu Ihrer Kolumne, lieber Herr Unfried. Sie vermuten hier, dass das negative Bild der Grünen auf der Ablehnung von „Funktionärinnen wie Jürgen Trittin, Claudia Roth, Jette Nietzard, Terry Reintke und Britta Haßelmann“ beruht.
Ab wann ist in Ihren Augen ein Mitglied der Grünen eigentlich ein Funktionär? Ich gehe wohl recht in der Annahme, dass Sie den Begriff negativ konnotiert verwenden, um die dann folgenden Namen in ein ungünstiges Licht zu setzen. Betreiben Sie damit nicht dasselbe Spiel, das sie „manch führenden Grünen-Funktionärinnen“ vorwerfen?
Sie unterscheiden zwischen den „richtigen“ und „falschen“ Grünen. Schade eigentlich, denn für mich als Grünen zählen alle zur Identität der Grünen, sowohl Cem Özdemir als auch Britta Haßelmann?
Norbert Bauer, Köln
Optimum
„Der Albtraum vom perfekten Baby“,
wochentaz vom 4. 4. – 10. 4. 26
Der Artikel berührt eine unbequeme Frage: Was bedeutet es für ein Kind, wenn seine Existenz auch Ergebnis gezielter Auswahl ist – geprägt von Erwartungen an Aussehen, Intelligenz oder gesellschaftlichen Erfolg? Der Wunsch nach dem „Besten“ für das eigene Kind ist verständlich. Doch wo endet Fürsorge, und wo beginnt eine neue Form von Eugenik? Der Hinweis auf Gesundheit dient dann vielleicht auch als Deckmantel für Selektionsvorstellungen, deren Grenzen beliebig erweiterbar scheinen.
Und wer weiß, ob vermeintlich ideale Eigenschaften wirklich zu Glück führen. Vielleicht schaffen sie nur neue Anpassungszwänge in einer immer stärker durch Konkurrenz geprägten Welt. Ein Wettbewerb um „optimierte“ Kinder würde Ungleichheiten verschärfen und den Druck auf alle erhöhen, hier mithalten zu müssen. Wer will das wirklich?
Barbara Rogge, Kassel
Schmaler Grat
„Der Albtraum vom perfekten Baby“,
wochentaz vom 4. 4. – 10. 4. 26
Hoher IQ, Vernunft und Nettsein bedingen sich meiner Meinung nach nicht wirklich wechselseitig. Diverse Autokraten und ihre Helfershelfer in der Geschichte, sind sicherlich nicht dumm (gewesen). Mal abgesehen davon, dass Moral und Anstand nicht die Folge weniger dezidierter Gene sind, hier also nicht einmal klar ist, was ausgewählt werden müsste. Und dies auch sicherlich sekundär wäre, wenn andere Dinge wie Größe, IQ und so weiter den Eltern nicht passen. Und Sozialisation auch eine Rolle spielt.
Zudem hätten Menschen wie Stephen Hawking oder John Forbes Nash wohl nicht existiert. Hier ist leider mal wieder die Politik gefragt, was gemacht werden darf und was nicht. Es ist sicherlich ein schmaler Grat.
Holger Kaempf auf taz.de
Desaster
„Ein Ostergeschenk an die AfD“,
wochentaz vom 4. 4. – 10. 4. 26
Migrationspolitik in den Medien ist jeden Tag präsent, denn es geht immer wieder um mehr und schnellere Abschiebung. Die „80-Prozent-Zahl“ ist ein öffentliches Kernargument, damit man die AfD noch stoppen oder vielleicht überholen kann. Integration kostet Zeit und Geld, der bestehende Fachkräftemangel soll durch mehr und länger arbeiten, über die Rente hinaus, die Wirtschaft retten.
Krieg und andere Krisen erhöhen die Lebenshaltungskosten extrem, tanken wird zum Luxus, den sich nicht mehr jeder leisten kann. Der „Markt“ ist nicht im Gleichgewicht. Dass die Ölkonzerne den Preis ohne wirksamen Wettbewerb in jeder Höhe selbst bestimmen, zum Nachteil von Millionen Autofahrern, ist mehr als nur unfair.
Thomas Bartsch Hauschild, Hamburg
Ersatz ist möglich
„Kein Ei ist auch eine Lösung“,
wochentaz vom 28. 3. – 3. 4. 26
Danke für den Artikel, Herr Maurin. Er ist sehr wichtig, um einmal klarzustellen, dass es ohne Eier geht.
Vielleicht kann er noch etwas über die Milch- und Fleischprodukte schreiben. Die brauchen wir auch nicht, es gibt genug Ersatz. Für Tiere und Umwelt ist es besser.
Gabriele Völkel, Obertshausen
Recht und Völkerrecht
„Wen das Wort Apartheid mehr triggert als dieses Gesetz, der zeigt ideologische Verblendung“,
wochentaz vom 4. 4. – 10. 4. 26
Werte Pauline Jäckels, herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Die taz tat sich bisher immer etwas schwer, ein solch klares Bekenntnis zu Recht und Völkerrecht in direktem Bezug zu Israel zu verfassen.
Michael Gleim, Lohfelden
Energiebedarf
„Wenn Öl und Gas zur Waffe werden“,
wochentaz vom 28. 3. – 3. 4. 26
In der Straße von Hormus sind aktuell 20 Prozent der globalen Fördermenge blockiert. Diese wären durch Verzicht auf Luxusverkehr und Reduzierung der beheizten Wohnfläche pro Kopf bei uns kurzfristig ersetzbar. Die weitere Aussage: „Derzeit decken Sonne und Wind nur 10 Prozent des deutschen Endenergiebedarfs ab“, ist falsch, der Anteil beträgt 23 Prozent. Die geringen Zahlen suggerieren, dass der Weg zu 100 Prozent noch unendlich weit wäre. Da aber Energiewende in weiten Teilen eine Stromwende ist, werden wir künftig deutlich weniger Energie benötigen. Denn 1 kWh Strom ersetzt im Straßenverkehr etwa 3 kWh fossile Brennstoffe, da ein E-Motor nahezu verlustfrei arbeitet. Die volle Unabhängigkeit von Öl und Gas können wir in 20 Jahren erreicht haben, wenn wir Kurs halten.
Johannes Lackmann, Paderborn
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