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wortwechselAlles mit Gewalt erreichen? Wer dreht das Rad zurück?

USA und Iran agieren auf einer nur scheinbar unvermeidlichen „escalation ladder“: „Stärke zeigen“, „Drohkulisse“, „Kollateralschäden“. „Elimination des Gegners.“ Gnadenlos sein!

Kriegsverbrecher D. J. Trump als Zuschauer bei der Ultimate Fighting Championship (UFC 327) im Kaseya Center in Miami, Florida, USA am 11. April 2026 Foto: Kevin Lamarque/reuters

„Gescheiterte Iran-Verhandlungen Trump, der Kriegspräsident – eine globale Gefahr“, wochentaz vom 12. 4. 26

Alles hat globale Folgen?

In den letzten Wochen mussten wir schmerzhafte und teure Lernprozesse durchleben. In einer globalisierten und arbeitsteiligen Welt, die mit begrenzten primären Energieressourcen ausgestattet ist, sind regionale Störungen in der Logistik weltweit wirksam und national nicht steuerbar. Regionale militärische Konflikte entfalten erhebliche globale wirtschaftliche, politische und diplomatische Turbulenzen. Wer die Welt aufmerksam beobachtet, wird auch festgestellt haben, dass Supermächte wie die USA oder Russland, trotz ihrer atomaren Überlegenheit, nicht gewinnen können, aber aus innenpolitischen Gründen nicht verlieren dürfen. Wir lernen auch, dass die unterlegenen Gegner nicht gewinnen, aber auch nicht kapitulieren. Da ist es gut zu wissen, dass wir Mitglied einer supranationalen Organisation sind, der EU, deren Erfolge durch Vertragstreue, Partnerschaft, Kompromissbereitschaft, Respekt, Gleichberechtigung, Vertragstreue, Ausdauer, Achtung des Völkerrechts zustande kamen und ohne militärische Erpressung.

Dieter Faulenbach da Costa, Offenbach

„Frieden gibt es erst, wenn Iran das Existenzrecht Israels anerkennt.“ Das ist ein klarer Satz, wie er leider selten zu hören ist in den zahlreichen Talkshows zum Thema Nahost-Krieg. Die Auslöschung Israels war von Beginn an immer wieder erklärtes Ziel des Mullah-Regimes. Europa erscheint inzwischen nur an der Sicherung seines Wohlstands interessiert. Es könnte sich einsetzen für das Wiedererstarken der UNO und sich mit allen Ländern verbinden, die damit gegenüber den Globalmächten wieder Gewicht bekämen. Burkhart Braunbehrens, Ebertsheim

Nach Trumps Drohung, über Nacht die iranische Zivilisation zu vernichten, war das, was in Islamabad stattfand, nur eine PR-Show, die uns endgültig davon überzeugen soll, dass die einzigen Schuldigen an diesem „unvermeidlichen“ Krieg die Mullahs seien und dass „gegen solche unverbesserlichen Sturköpfe notfalls jedes Mittel recht ist“. Washington und Tel Aviv wollen uns damit ihren „besten Willen beweisen“, zum Wohl der Menschheit auf den jederzeit möglichen atomaren Holocaust „zu verzichten“.

Ich gehe aber jede Wette ein, dass gewisse bestens vernetzte transatlantische Kreise bereits Millionen schwere Wetten laufen haben, ob Nukes überhaupt und wenn ja, an welchem Tag genau zu ihrem „Einsatz für den Frieden“ kommen. Solcherlei entspricht dem Mix aus gewissenloser Privatgier und einem geradezu psychotischen Zivilisations-Triumphalismus, der seinen ethischen Bankrott genauso wenig wahrhaben will wie den militärischen und ökonomischen.

Benjamin Kradolfer, Bellach, Schweiz

Was wäre, wenn …

Was wäre geschehen, wenn eine/r der Teilnehmer/innen des Nato-Gipfels diesen Präsidenten zurechtgewiesen hätte? Hätte er ihn zusammengefaltet? Wäre er tätlich geworden? Die Szene wiederholt sich quasi bei jedem Treffen mit anderen Staatschefs. Nun, in meinem Umfeld gibt es jemanden, der behauptet, er hätte den Präsidenten beim Nato-Treffen angeblafft und er würde bei den dummen Monologen Trumps nicht noch dümmer lächelnd auf dem Stuhl neben Trump sitzen bleiben. Wo ist so ein Typ in der Politik? Thomas Stapelfeldt

„Womöglich ist Regime Change in Washington mindestens so dringend wie in Teheran.“ Ich finde sogar: dringlicher. Die USA können in kürzerer Zeit noch mehr Schaden anrichten. taz forum

Kein Deal innerhalb von einem Tag? Wie konnte Trump so naiv sein, das zu erwarten? Oder wollte er keinen Deal, sondern nur ein Alibi? taz forum

Durch den unsinnigen Krieg hat der Iran gelernt, dass er mit der Blockade der Straße von Hormus eine unfassbar starke Waffe in der Hand hat. Während der Transport von Energie in die ganze Welt gestoppt wird, exportiert der Iran weiter fröhlich Öl zu seinem Großkunden China. Es bleibt die Hoffnung (!), dass China nun den Iran zum Einlenken zwingt, wenn aus dem Iran kein Öl mehr kommt. taz forum

Ich wäre viel mehr daran interessiert, was eigentlich passiert, sollte die US-Marine tatsächlich chinesische Frachter stoppen – das wäre ein Akt der Piraterie in internationalen Gewässern. taz forum

Auch wenn ich mich wiederhole, der Sexualverbrecher Trump ist nicht einfach vom Himmel gefallen und über das arme US-amerikanische Volk gekommen. Er wurde von den Bürgern dort gewählt und das zeigt, dass diese mindestens genauso dumm und verbrecherisch sind wie der von ihnen gewählter Präsident und seine Regierungsmannschaft. taz forum

Wer in Trumps Umfeld wusste von dem Kriegseintritt und hat entsprechend an den Finanzmärkten gehandelt? Bei all dem Irrsinn verlieren Trumps Gefolgsleute und Familie nie den eigenen finanziellen Vorteil aus dem Auge. taz forum

Trump geistert wie ein irrlichternder Wischmop durch die Weltpolitik und richtet dabei mit seinem verlängerten Rücken immer mehr Schaden an. taz forum

Über Nacht …

Stundenlange Verhandlungen gehen ohne Ergebnis zu Ende“, taz vom 12. 4. 26

Das bedeutet wohl, dass es demnächst wieder eine Drohung von Trump geben wird, dass er über Nacht eine ganze Zivilisation auslöschen wird. Obwohl er das nicht gerne mache! Wenn man nicht dahin kommt, ohne Waffen zu verhandeln, wird bald nicht nur die eine oder andere Zivilisation ausgelöscht, sondern der ganze Planet für alle Zivilisationen unbewohnbar durch KI- und Roboter-Armeen, die sich vollkommen der Kontrolle durch Menschen entziehen, durch KI hergestellte Bio- und Chemie-, Weltraum- und Cyberwaffen. taz forum

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