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Nominiert für den panterpreis 2026 Eine Sendung für Austausch im Kiez

Von der Marzahner Nachbarin über einen Grünen-Politiker bis zur Band aus Aleppo: In der Sendung Radio Connection kommen sie alle zu Wort. Aufgenommen wird in einer Geflüchtetenunterkunft.

Man kennt sich: Inzwischen hat sich Sendung und ihre Macher:innen in Nachbarschaft etabliert Foto: Radio Connection

taz panterpreis | Eine mehrsprachige Radiosendung auf Deutsch und Arabisch, Farsi oder Französisch? Konzipiert und produziert in einer Geflüchtetenunterkunft? Gemeinsam von Geflüchteten und Menschen ohne Fluchterfahrung? Mit Stimmen, die sonst vielleicht kaum jemand hört? Die von Blickwinkeln berichtet, die andere Medien gar nicht einfangen können? Und die die Nachbarschaft zusammenbringt?

Genau das ist Radio Connection. Seit 2019 gibt es das Projekt in Berlin-Marzahn. Und seitdem wird jeden Donnerstag von 15 bis 16 Uhr eine Sendung im freien Radio Berlin-Brandenburg ausgestrahlt, die auch nachträglich auf der eigenen Website zu hören ist.

taz panterpreis „Medien von unten“

Ausgeschrieben war der taz panterpreis unter dem Motto „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“. Vom 8. bis 27. Juni 2026 findet unter taz.de/panterwahl die öffentliche Wahl darüber statt, wer der sieben Nominierten den Publikumspreis gewinnt. Die Preisverleihung, inklusive des Jurypreises, ist im Rahmen der Hamburger Woche der Pressefreiheit am 14. Oktober um 18 Uhr im Museum der Arbeit.

Ein Zelt im Zimmer

Die Themen sind vielfältig: mal geht es um die Situation der Frauen in Afghanistan, mal um die politische Lage in Iran, um Umweltthemen, queeres Leben in Marzahn oder das Asylrecht in Deutschland. Regelmäßig sitzen unterschiedliche Gäste bei Radio Connection am Mikro; vom Grünen-Politiker bis zur Band aus Aleppo. Ausgestrahlt wird abwechselnd eine offene Sendung und eine Episode der Reihe „Marzahn am Mikro“.

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taz panterpreis Nominierte 2026 | Radio Connection, Mobiles Studio Berlin

Grafik auf grünem Hintergrund: Links springt ein schwarzer Panther. Rechts steht „taz Panterpreis 2026“ und darunter „Radio Connection, Mobiles Studio Berlin“ sowie „Unabhängig, kritisch, resilient: Medien von unten“.

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Aufgenommen wird in einer Geflüchtetenunterkunft. Mittlerweile hat die Redaktion dafür sogar ihr eigenes Studio. Das war nicht immer so. „Am Anfang mussten wir bei jeder Aufnahme neu auf- und abbauen“, erzählt Susanne Bayer. Sie hatte 2016 die Idee für Radio Connection. „Da die Räume in der Unterkunft extrem glatt waren und die Akustik dadurch extrem schlecht, haben wir immer noch ein Zelt im Raum aufgebaut, um darin unsere Sendungen aufzunehmen.“

Aufgenommen in einer Geflüchtetenunterkunft

Gestartet hat Radio Connection als „Kunst am Bau“-Projekt, das der Senat im Rahmen der ersten zehn Modularen Geflüchtetenunterkünfte ausgeschrieben hatte. „Die Menschen brauchten nicht Gestaltung an Wänden und Treppenhäusern, sondern Unterstützung, um anzukommen“, sagt Bayer. Sie schlug eine regelmäßige Radiosendung als partizipatives Projekt für Bewohner:innen und Nachbarschaft vor und gewann. Der Verein radio connection e.V. wurde gegründet, ein mobiles Studio angeschafft und ein Team zusammengestellt, das Radios in die Gemeinschaftsküchen hing.

Heute sitzen jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr mindestens 25 Leute im offenen Redaktionstreffen zusammen, schlagen Themen vor und planen die wöchentlichen Sendungen. Auch eine Sendungskritik gehört dazu. „Es soll keine Hierarchien geben“, sagt Bayer. „Die Gruppe entscheidet zusammen über Themen, es gibt keine Chefredaktion. Für manch einen Journalisten aus dem Ausland ist das erstmal ungewohnt.“

Auch Schnitt und Übersetzungen werden wenn möglich im Team gemacht. Denn die Sendungen sind immer zweisprachig, auf Deutsch und einer weiteren Sprache. Der größte Teil der Redaktion arbeitet ehrenamtlich. Nur um die Technik kümmern sich zwei Tontechniker. Und eine Halbzeitstelle für die Koordinierung gibt es. Susanne Bayer kümmert sich unter anderem um Förderungskonzepte. Denn: „Ohne können wir das Projekt nicht aufrechterhalten.“

Austausch in der Nachbarschaft

Und das wäre ein Verlust für den Kiez. Denn bei Radio Connection geht es nicht nur um spannende Unterhaltung und informative Sendungen. Es bedeutet auch Austausch in der Nachbarschaft, neue Kulturen und andere Blickwinkel kennenlernen. Und das in einem Kiez, in dem es zu Beginn große Proteste gegen die Geflüchtetenunterkünfte gab. Mittlerweile aber habe sich Radio Connection richtig etabliert, erzählt Bayer. Wenn sie Gesprächsanfragen in der Nachbarschaft stellten, komme oftmals die Rückmeldung: „wir kennen euch.“

Radio Connection ist übrigens offen für alle, die Lust haben, Radio zu machen. Ob mit oder ohne Migrationserfahrung, ob professionelle:r Journalist:in oder komplett unerfahren. Jede:r ist willkommen.