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taz Talk über Montenegro Vor der Tür der EU: Aufbruch oder Stillstand?

Montenegro steht 2026 vor einem Schicksalsjahr: 20 Jahre Unabhängigkeit, doch der EU-Beitritt bleibt ein Versprechen ohne Garantie.

Steht Montenegro wirklich kurz vor dem EU-Beitritt? Und zu welchem Preis? Foto: gov.me/ arhiva

Montenegro gilt als fortgeschrittenster Beitrittskandidat im Westbalkan – und doch ist der Weg in die EU steiniger als erhofft. Seit 2012 verhandelt das kleine Adrialand mit Brüssel, alle 33 Kapitel wurden eröffnet, 14 vorläufig geschlossen. Die Regierung in Podgorica hat das ambitionierte Ziel eines EU-Beitritts bis 2028 ausgegeben und auch auf Seiten der EU wird über einen zeitnahen Beitritt angestrebt. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke.

Veranstaltungsinformationen

Wann: Mo. 06.05.2026, 19 Uhr

Einlass: 18.30 Uhr

Wo: taz Kantine und im Livestream

Friedrichstr. 21

10969 Berlin

Eintritt frei.

Die Teilnahme ist nur mit einem im Voraus gebuchten Ticket möglich. Wir bitten Sie daher um eine Anmeldung über dieses Ticket-Portal. Die Plätze sind begrenzt, der Eintritt ist kostenlos. Der Zugang zur Veranstaltung ist barrierefrei.

Im Mittelpunkt der Debatte stehen die Kapitel 23 und 24 – Justiz, Grundrechte und Korruptionsbekämpfung. Sie gelten als eigentlicher Lackmustest für den Reformwillen des Landes. Zwar hat Montenegro vielfach den rechtlichen Rahmen an EU-Standards angeglichen, doch bei der konsequenten Umsetzung hapert es: politischer Einfluss auf die Justiz, begrenzte Ergebnisse bei der Bekämpfung von Hochkorruption und organisierter Kriminalität, instabile Regierungskoalitionen. Die wahrgenommene Stabilität gilt Beobachtern oft als trügerisch – das Resultat kurzfristiger Deals statt tiefgreifender institutioneller Reformen.

Hinzu kommt der geopolitische Druck: Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat die EU-Erweiterung neue strategische Dynamik gewonnen. Montenegro wird zunehmend als möglicher Erfolgsfall gehandelt, der Brüssels Glaubwürdigkeit im Westbalkan stärken könnte. Doch genau darin liegt die Gefahr: Wenn geopolitische Interessen die Messlatte für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit absenken, droht ein „politischer Beitritt" ohne substanzielle Transformation.

Auf beiden Seiten macht sich zudem Ermüdung bemerkbar. In Montenegro wächst die Ungeduld nach jahrelangen Reformen ohne spürbare Ergebnisse; in der EU schwindet der Appetit auf Erweiterung. Der sogenannte „credibility gap" – das gegenseitige Misstrauen zwischen Kandidatenland und Union – untergräbt die transformative Kraft des gesamten Prozesses.

Ein Diskussion mit:

🐾 Daliborka Uljarević leitet seit 2002 das Zentrum für Bürgerbildung (CCE) in Podgorica. Die Politologin und Expertin für Demokratie, Menschenrechte und europäische Integration war u. a. für den Europarat, die OSZE und die BBC tätig und ist Autorin zahlreicher einschlägiger Publikationen.

🐾 Ivan Vuković ist seit 2023 Abgeordneter im montenegrinischen Parlament und Vorsitzender des Ausschusses für europäische Integration. Zuvor war er von 2018 bis 2023 Bürgermeister von Podgorica. Er ist seit 2024 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Montenegros (SDP). Er studierte Internationale Beziehungen an der Universität Montenegro und war Berater beim UNDP.

🐾 Barbara Oertel moderiert. Sie ist Osteuropa-Redakteurin und eine Chefin der Auslandsredaktion.

Dieser taz Talk findet in freundlicher Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung statt.

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