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südwesterGöttliches Internet

Das Schöne ist ja, dass Kirche so flexibel ist, wenn es um Unwesentliches geht. Statt also den coronabedingten Verlust des Analogen zu beklagen, preisen die Kirchenleute – ganz Mainstream – das Internet. Die Kirche habe einen digitalen Sprung nach vorn gemacht, sagte jetzt der Sprecher der braunschweigischen Landeskirche – um nachzuschieben, die Qualität sei oft nicht einwandfrei. Ende des Zitats. Dabei hätten die Public Relations hier beginnen können, bildet die Unvollkommenheit der Videokonferenz-Anbieter doch die häufigste Glaubenserfahrung ab: labile Leitungen, verwackelte Echos, Wortfetzen scheinbar ohne Sinn. Das erleben wir – so wir uns an ihn wenden – stets von Seiten des Allmächtigen. Aber um diese Unvollkommenheit als göttlich zu preisen, muss der Kirchensprecher wohl noch ein, zwei Webinare absolvieren.

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