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meinungsstark

Antihymne über Au­to­r:in­nen

„Maxim Biller über Gegenwartsliteratur: Was mich wütend macht“, taz vom 9. 10. 26

Oh, da hat sich EineR ganz groß gemacht und wegtragen lassen von der eigenen Gravitas. Billers Antihymne über zeitgenössische Au­to­r:in­nen sagt viel über seine eigene Wahrnehmung und nichts über die Schriftsteller:innen. Es macht mich wütend, dass die taz einen solchen pseudoprovokatorischen, ins eigene Wort verliebten Beitrag druckt, der nicht durch Zufall mit besonderer Hingabe das Werk zweier Erfolgs­autorinnen zerreißt. Vielleicht ist die weibliche Perspektive Herrn Biller schnurz oder schlicht nicht zugänglich. Seine Liste der in seinen Augen Bestand habenden Autoren lässt diesen Schluss zu. Schade für den Herrn. Eine steile These ersetzt nicht die Pflicht zur klugen Argumentation. Die fehlt dem Text gänzlich. Monika Kappus, Freiensteinau-Radmühl

Biller hat Biller gelesen

Vor einiger Zeit habe ich der FAZ entnommen, dass Maxim Biller den Autor Daniel Kehlmann als „größten deutschen lebenden Schriftsteller“ würdigte. Nun fragt er in der taz: „Und woher kommt der Respekt für den charmanten Herrn Kehlmann und seine als historische Romane getarnte Mantel-und-Degen-Prosa, oft mit einem Schuss Naziporno versehen?“ Die Antwort ist einfach: Biller hat Biller gelesen. Was aber würde Biller zu Billers Urteilsvermögen sagen? Florian Klenk

Pointiert und polemisch

„Entgegnung auf Maxim Biller: Wer nicht lesen kann, muss schweigen“, taz vom 13. 10. 26

Es gäbe zu sagen, dass, wenn jemand mehrfach den Versuch macht, etwas zu lesen, aber daran scheitert, dann ist das keine „Rezeptionsverweigerung“. Dass man ein Buch weglegt, weil trotz mehrfachen Versuchs das Weiterlesen nicht gelingt, ist legitim. Das ist ein Urteil, und ein solches Urteil ist nach mehrfachem Versuch durchaus vertretbar, auch wenn es z. B. die polemische Form annimmt: „Das Leben ist zu kurz, um sich mit diesem Buch abzumühen.“

So ist es mir bei manchen Büchern oder Autoren auch schon gegangen. Dass Biller pointiert und polemisch schreibt, ist nicht anders zu erwarten, deshalb ist die Charakterisierung als Pamphlet gerechtfertigt. Ein „Sermon“ im pejorativen Sinn von Geschwafel oder Geschwätz ist Billers Text dagegen nicht. Es handelt sich auch nicht um eine „aus Neid und Ressentiment gespeiste Kolleg*innenschelte“.

Das hat Biller nicht nötig, weil er ja, wie Schirrmeister selbst feststellt, ein „alerter Akteur“ des Literaturbetriebs ist. Ist das verwerflich? Nein, denn das sind die von Biller attackierten Kollegen und Kolleginnen auch. Die Vorschläge, die Biller am Ende seines Pamphlets macht, („­Literatur“ contra „Schund“), sollte man nicht wirklich ernst nehmen. Seine Wut dagegen ist zumindest teilweise nachvollziehbar. Jochen Schimmang, Oldenburg

Freiheit der Presse

„Serena Bilanceri wird Visum verweigert“ taz vom 12. 10. 26

Serena Bilanceri ist eine mir bekannte und sehr geschätzte „Feder“ dieser Zeitung. Wenn es um den Nahen Osten geht, haben wir es mit einer hochkomplizierten und spannungsgeladenen Region zu tun. Umso wichtiger für jede Leserin/jeden Leser ist es daher, dass man sich auf kompetente journalistische Information und Zuarbeit beziehen und verlassen kann.

Genau dieses Ziel verfolgt Serena Bilanceri mit ihren journalistischen Beiträgen und ist damit sowohl beim Thema Israel als auch seiner Nachbarstaaten eine zuverlässige Informations- und Reflexionsquelle. Es erfüllt mich mit Sorge und Zorn, wenn ich nun erfahre, dass die israelische Regierung dieser Journalistin die Aufenthaltserlaubnis entzieht. Hier wird die Freiheit der Presse frontal angegriffen.

Dadurch fühle auch ich mich als zivilgesellschaftlich engagierter Mensch unmittelbar betroffen und protestiere gegen die Vorgehensweise der israelischen Regierung!

Dr. Jochen Pleines, Deutsch-Jordanische Gesellschaft e. V.