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meinungsstark

Fortschrittsglaube

Das Gift der Gewöhnung“,

taz vom 7. 4. 26

Vielleicht sollte man, auch wegen des historischen Bezugs und der Klarheit des Denkens, hinzufügen, dass die nun so vorhersehbar zu Ende gehende Epoche des „Fortschritts“ einer verrückten Vorstellung folgte: Durch Wissenschaft, Technik und fossile Energiewandlung könne man die inzwischen weltweit herrschende kapitalistische Wachstumsökonomie auf einer begrenzten Erde endlos durchhalten und so ein irdisches Paradies schaffen. Die globalisierte, kapitalistisch geformte Industrialisierung hat sich selbst den Zwang auferlegt, die von allen moralischen Werten, vom Lebendigen und von den Naturbedingungen abgelöste Geldvermehrung ins Unendliche zu treiben, und dies durch immer hektischere produktivistische Gschaftlhuberei.

Inzwischen werden die Profite mithilfe der völlig entgrenzten Aufrüstung wieder in die Höhe getrieben – und: Das ganze militärische Dreckszeug wird fossil angetrieben. Wir haben uns so aus dem für die menschliche Spezies freundlichen Klimakorridor des Holozäns herauskatapultiert – mit einer globalen Temperaturerhöhung von inzwischen 1,5 Grad, Die uns alle seit vier Jahrhunderten prägende „Ökonomie“ der Konkurrenz und Gewalt interessiert sich nicht für die „humanitäre Architektur“ – die ist ihr zunehmend im Weg.

Wolfgang Neef, Berlin

Kraft, Geduld und Ausdauer

„Was hat Péter Magyar vor?“,

taz vom 14. 4. 26

Viktor Orbáns Jahre an der Macht waren für die EU mehr als anstrengend – sie waren ein Dauerstresstest. Versuchte Europa, gemeinsam voranzukommen, trat Budapest gern auf die Bremse. Das wurde normal und hatte schließlich Methode. Das enge Verhältnis zu Moskau passt da gut ins Bild. In Ungarn selbst entstand während der Amtszeit Orbáns ein System, das Loyalität belohnte und Kritik erschwerte. Wer nicht mitmachte, hatte das Nachsehen. Bei der Verteilung von EU-Geldern schien die politische Nähe meist wichtiger als Verantwortung gegenüber dem ungarischen Volk. Péter Magyar übernimmt ein Land mit tiefen Rissen. Nach Jahren gezielter Machtkonzentration und dem Aufweichen der Gewaltenteilung geht es jetzt um grundlegende Reformen. Die Zweidrittelmehrheit Magyars ist dabei Chance und Verpflichtung zugleich. Wenn er es ernst meint, muss er liefern. Ich wünsche den Ungarn auf ihrem Weg zurück in eine funktionierende Demokratie Kraft, Geduld und Ausdauer!

Achim Bothmann, Hannover

Endlich Abitur

„Die Fußgängerin“,

wochentaz vom 11.–17. 4 26

Ja! Abi geschrieben – wann, wenn nicht jetzt FEIERN. Ohne jeden Gedanken FEIERN. Nach dieser Plackerei, die mir noch Jahrzehnte später Albträume von sexistischen Chemielehrern und schwer wertkonservativen Schuldirektoren (Bayern, 80er letztes Jahrhundert) bescherten. Danke, dass Sie als Kolumnistin und Sie als taz darauf hinweisen, dass die Jugendlichen, die jungen Menschen auf sehr, sehr, sehr viel in dieser Coronazeit verzichten mussten, was Lokalpolitikerinnen und Zeitungsschreiber offenbar schon wieder schön vergessen haben.

Cornelia Benesch, Bayern

Energiekrise

„Brüssel hat keinen eigenen Plan“,

taz vom 1. 4. 26

Das ehrwürdige Mantra „Heraus aus Kohle, Öl und Gas“ muss jetzt endlich Wirklichkeit werden. Das gilt auch für die nachhaltige, stromgetriebene Mobilität, die die alte, ­erdölgetriebene Mobilität zu ersetzen haben wird. Der ständig steigende Spritpreis ist eine gute Gelegenheit dazu. „­Grüner Strom statt schwarzes Gold“. Allerdings ist es eigenartig, dass fast alle einschlägigen Gremien um eine Abminderung der entstehenden Spritverteuerung bemüht sind, anstatt der Teuerung durch eine aktuelle Nutzung der E-Mobilität überhaupt aus dem Weg zu gehen. Offensichtlich möchten die Erdölförderer, dass das Erdöl weiter dominiert.

Wolfram Haider, Wien

Keine Empathie für Tiere

Rund 150 Menschenjahre alt“,

taz vom 13. 4. 26

Euer Artikel über den Geburtstag der Gorilladame Fatou hat leider nur Bild-Zeitung-Niveau und ist reines Zoomarketing. Fatou wurde als sogenannter Wildfang aus Westafrika entführt und sitzt seit dem Tod ihrer Gefährtin Gigi 2009 allein in ihrem winzigen Gehege. Lebenslange Haft ohne Chance auf Bewährung. Mitgefühl mit Menschen finde ich oft in der taz, Mitgefühl mit Tieren leider zu selten.

Oliver Haakert, Düsseldorf

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