meinungsstark:
In Stille gegen Krieg und für Frieden
„Feminismus zieht die Massen. Auf mehreren Demos zieht es in Berlin Zehntausende zum feministischen Kampftag auf die Straße. Es geht um Gewalt, Kürzungspolitik – und um den Krieg im Iran“
taz vom 8. 3. 26
Danke für den ausführlichen Bericht über die verschiedenen Demonstrationen am Internationalen Frauentag in Berlin. Wer jedoch nicht mit einer einzigen Silbe erwähnt wird, sind die etwa 250–300 Frauen, die in Weiß gekleidet vor dem Reichstag zusammen kamen und schweigend, ohne Parolen, in Stille gegen Krieg und für Frieden demonstriert haben. Aufgerufen hatte die Initiative Matriarchy is Peace. Ich finde es ziemlich irritierend, dass diese Kundgebung durchs Reportage-Raster gefallen ist. Beate Ziegs, Berlin
Alleingelassen in Doha
Betreff: Krieg & Evakuierung. Ein Erfahrungsbericht
Am 27. Februar 2026 reisten meine Frau und ich nach Doha. Zu diesem Zeitpunkt gab es für Katar keine formelle Reisewarnung. Einen Tag später begann der Krieg. Über unserem Hotel waren Explosionen zu hören und zu sehen. Wir hatten Todesangst. Was vom Auswärtigen Amt kam, waren allgemeine Mails von der ELEFAND-Liste (Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland) mit Verhaltenstipps, Warnungen und dem ständigen Verweis auf Eigenverantwortung. Was fehlte, war konkrete Hilfe: kein erkennbares Fallmanagement, keine sichtbare Koordination, kein persönlicher Ansprechpartner, keine operative Unterstützung. Wer als deutscher Staatsbürger in einer Kriegsregion festsitzt, erwartet mehr als Textbausteine.
Am 3. März organisierten wir unsere Ausreise selbst – auf eigenes Risiko, über Saudi-Arabien. Am 5. März waren wir zurück in Deutschland. Nicht wegen eines funktionierenden Krisenmanagements, sondern trotz seines Fehlens. Besonders empörend war die politische Kommunikation. Außenminister Wadephul erweckte den Eindruck, es habe bereits vor Kriegsbeginn eine Reisewarnung gegeben. Das stimmte nicht. Mein Eindruck ist klar: In dieser Krise fehlten nicht nur Organisation und Führung, sondern auch Empathie. Wer Bürger mit Angst um ihr Leben im Ausland vor allem auf Selbsthilfe verweist, hat das Wesen staatlicher Verantwortung nicht verstanden. Für mich ist das ein politisches Versagen, für das der Außenminister die Verantwortung übernehmen sollte.
Malte Bruins, Hünxe
Schöne neue Freiheit
Betreff: Umzingelt von Apps!
Ich wollte für meine Tochter einen neuen Prepaid-Tarif bei congstar einrichten und mich dazu in meinen bestehenden Online-Zugang einloggen. Dabei musste ich feststellen, dass der Zugang über den Webbrowser offenbar abgeschafft wurde. Stattdessen wird man gezwungen, eine Smartphone-App zu installieren. Damit wird eine digitale Dienstleistung künstlich auf ein bestimmtes Gerät und ein bestimmtes Ökosystem beschränkt. Was dabei gerne verschwiegen wird: Android gehört zum Alphabet-Konzern, also zum Google-Imperium. Wer also gezwungen wird, eine App zu installieren, wird faktisch auch in diese Infrastruktur gedrängt. Während in Politik und Öffentlichkeit ständig über digitale Souveränität gesprochen wird und man sich von der Abhängigkeit amerikanischer Plattformen lösen möchte, treiben viele Unternehmen genau das Gegenteil voran: Sie zwingen ihre Kunden immer tiefer in geschlossene App-Ökosysteme.
Dabei könnte man fast alle Funktionen moderner Apps problemlos über Web-Anwendungen im Browser bereitstellen. Diese funktionieren auf jedem Gerät – unabhängig von Betriebssystem, App-Store oder Hersteller. Der schleichende App-Zwang betrifft längst nicht mehr nur Mobilfunkanbieter, sondern Banken, Verkehrsbetriebe, Energieversorger und viele weitere Bereiche unseres Alltags. Wenn wir nicht aufpassen, müssen Bürger bald tatsächlich für alles eine App installieren – vielleicht irgendwann sogar „zum Atmen“.
Horst Meyer, Köln
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