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meinungsstark

Die Vernichtungslogik der Mullahs

Betreff: Die Sprache der westlichen Iran-Berichterstattung

Wir beschreiben die Lage im Iran mit modernen, säkularen Begriffen: Repression, Justiz, autoritäres Regime, Menschenrechtsverletzungen. Diese Wörter sind nicht falsch – aber sie sind zu klein. Sie stammen aus einer Welt, die den Anspruch göttlicher Wahrheit auf politische Macht historisch hinter sich gelassen hat. Genau das ist im Iran nicht der Fall.

Zentrale Begriffe des Systems – Velāyat-e Faqih (die absolute Vormundschaft des Gottesvertreters auf Erden), Moḥārebe (Krieg gegen Gott), Mofsed-e fel-Arz (Verderbnis auf Erden) – sind keine juristischen Kategorien im modernen Sinn. Es sind ontologische Urteile. Wer unter sie fällt, ist kein politischer Gegner, sondern eine metaphysische Abweichung.

Hinzu kommt: Diese Begriffe stammen aus einem archaischen, koranischen Arabisch, das selbst viele Perserinnen und Perser nicht mehr verstehen, weil diese Sprache aus den frühesten Jahrhunderten des Islams stammt – aus einer Zeit, in der Sprache nicht erklären, sondern verdammen sollte. Sprache fungiert hier nicht als Medium des Rechts, sondern als Instrument sakraler Gewalt.

Vielleicht wäre es analytisch ehrlicher, weniger im Vokabular des 20. Jahrhunderts zu schreiben und stattdessen Begriffe zu wagen, die Europa aus seiner eigenen Vergangenheit kennt: Inquisition, Häresie, Blasphemie, Ketzerverfolgung. Nicht als polemische Übertreibung, sondern als strukturelle Nähe. Solange wir eine theologisch legitimierte Vernichtungslogik mit der Sprache moderner Politik beschreiben, werden wir sie nicht verstehen – und folglich unterschätzen.

Abolfasl Pahlevan, Düsseldorf

Sterben der Bauernhöfe gefördert!

Bundesagrarminister Alois Rainer: Gut für den Bauernverband, aber nicht für die Bauern“, taz vom 16. 1. 26

Danke für die klaren Worte über Alois Rainer und seine fatale Rolle in der Agrarpolitik. Widersprechen möchte ich aber nachdrücklich, dass Agrarpolitik keinen Einfluss auf das Höfesterben hatte und hat. Ab 1950 war das erklärte Ziel der BRD, ein Industriestaat zu werden, Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft zu rekrutieren und die Landwirtschaft industriell anzupassen. Dazu wurden die Subventionen gezielt eingesetzt, es wurde auf möglichst viel Mechanisierung und Massenproduktion gesetzt, die flächengebundenen Zuwendungen förderten Betriebe mit mehr Fläche gezielt, sodass die kleineren Höfe nicht mithalten konnten.

Nach wie vor wird durch die EU-Agrarpolitik die Agrar­industrie massiv gefördert und die nachhaltige, biologische, umweltverträgliche Produktion komplett ausgebremst. Alois Rainer ist mit von der Leyen, Manfred Weber und anderen in bester Gesellschaft.

Christine Mayr-Steer, Horgau

Große Schlägerei im Stadion

„Mehr als 50 Verletzte: Ganz Berlin (plus Schalke) hasst die Polizei. Bei einem Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga gerieten die Berliner Polizei und Hertha-Ultras aneinander“, taz vom 18. 1. 26

Hier wütende Ultras, dort eine gewaltbereite Polizei. So lese ich in der taz, was angeblich Sache sei. Auf den Videos sehe ich, wie schwarz gekleidete, vermummte Männer Randale machen und die Polizei dagegen vorgeht. Und ich bezweifle im Gegensatz zur taz, dass „ganz Berlin“ die Polizei hasst. Und ich als Schalker schon mal gar nicht. Ich sage stattdessen: Danke schön, Polizei, dafür, dass ihr uns Fans vor diesen aggressiven Männern schützt.

Es ist die Polizei, die zunehmend kontrolliert, denn offensichtlich lassen die Vereine diese testosterongesteuerten Machos samt ihren verbotenen Utensilien in die Stadien rein, anstatt sie professionell zu filzen. Weil deren „Stimmung“ gut ist für Fernsehbilder und damit gut fürs Geschäft. Eure indirekte taz-Parteinahme für die nur „wütenden“ Ultras geht mir auf die Nerven. Ich bitte darum, nur meinen Vornamen zu nennen. Peter aus Recklinghausen, Schalke-Fan seit über einem halben Jahrhundert und taz-Leser seit ihrer Erstausgabe

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