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herzensortEin Kleinod, wild und ungezähmt

Sheffield in England – eine Freundin ist dorthin gezogen. Ob die Stadt schön sei, fragte ich sie. Ihre Antwort blieb vage. Es ging ihr da schon nicht gut; jetzt ist sie gestorben. Abschied und Besuch waren eins.

Nein, Sheffield ist nicht schön. Im Stadtzentrum viel Armut, Supermärkte, Billigläden, mit Werbung zugekleisterte Wände, leere Geschäfte. Aber dann, als ich bei strömendem Regen quer durch die Stadt ging, kam ich am 1978 stillgelegten Friedhof „General Cemetry“ vorbei und war hingerissen: überwachsene Grabstellen, ein rauschender Bach, klassizistische Gebäude, denen das Wilde, das die Zeit ihnen zufügte, nicht wegrestauriert ist, Stelen zwischen Bäumen, Katakomben, ungezähmtes Grün. Wie schön muss er im Frühling erst sein!

Im viktorianischen England war er der wichtigste Friedhof der Industriestadt mit 78.000 Beerdigten; heute ist er ein Landschaftspark. Ich durchquerte ihn und lief zurück, um ihn wieder zu durchqueren. Hinter dem Eingangstor dann bog ich auf den Krötenpfad, der sich den Bach entlangschängelt. Für einen Augenblick war ich angekommen in der Weite und der Schönheit. Waltraud Schwab

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