piwik no script img

herzensortSitzenbleiben, innehalten

Sie steht am Rand des Feldwegs über dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin: die Bank aus zwei halben Baumstämmen, einer als Sitzfläche, einer als Lehne, und zwei Stümpfen als Füße. Keine, die schon etwas morsch ist oder auf der sich Flechten ausbreiten. Keine, die halb zerfällt oder bei der eine Latte der Sitzfläche fehlt. Entweder bleibt diese Bank seit Jahren wie durch ein Wunder in einem sehr guten Zustand – oder der Dorfverschönerungsverein hat sich ihrer angenommen.

Unzählige Male habe ich sie aufgesucht: Wenn ich als Teenagerin sauer auf meine Eltern war und Abstand brauchte. Für eine kurze Verschnaufpause während meiner ebenso kurzen Jogging-Phase. Oder mit Freundinnen aus der Stadt, um ihnen die Aussieht über die Felder und Nachbardörfer und das etwa zehn Kilometer entfernte Göttingen zu zeigen. Da ist die ländliche Ruhe und gleichzeitig die so nah wirkende Stadt. Mir und ihnen beweise ich damit: In der Ödnis sind wir hier nicht.

Länger schon bin ich nicht mehr zielstrebig zu ihr hinspaziert, sondern nur dran vorbei. Vielleicht wäre es mal wieder an der Zeit, Halt zu machen. Clarissa Hofmann

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen