die wahrheit: Mietbeifahrer haben in Irland Zukunft

Die Iren brauchen neuerdings einen Führerschein, wenn sie Auto fahren wollen. Die Regierung hat am 1. Juli eine lustige Gesetzeslücke geschlossen...

Die Iren brauchen neuerdings einen Führerschein, wenn sie Auto fahren wollen. Die Regierung hat am 1. Juli eine lustige Gesetzeslücke geschlossen. Bis dahin konnte jeder, der mindestens 17 Jahre alt war, eine provisorische Fahrerlaubnis beantragen, die zwei Jahre gültig war. In dieser Zeit durfte man nach Herzenslust herumfahren, solange jemand mit echtem Führerschein auf dem Beifahrersitz saß und man ein rotes "L" für "Learner" im Fenster anbrachte.

Nach Ablauf der zwei Jahre konnte man einen zweiten provisorischen Schein beantragen. Nun galt man als routinierter Autofahrer, selbst wenn man durch die Prüfung gefallen war, und durfte ohne Beifahrer herumkutschieren. Ab der dritten provisorischen Fahrerlaubnis hingegen musste wieder ein Beifahrer her. In der Praxis hielt sich niemand an diese Vorschrift, manche fuhren 20 Jahre lang mit dem Provisorium, und die Polizei drückte beide Augen zu.

Seit Juli tut sie das nicht mehr. Wer ohne Beifahrer erwischt wird oder gar sein "L"-Schild im Kofferraum versteckt, muss 1.000 Euro Strafe zahlen. Das hat die knapp 400.000 Fahrer mit provisorischem Führerschein in tiefe Verzweiflung gestürzt, die einem morgens in den Radiosendungen mit Hörerbeteiligung zum Frühstücksei serviert wird.

Nun hat ein Ansturm auf die Fahrprüfstellen eingesetzt, doch jeder Zweite fällt durch die Prüfung. Vielleicht sollten diese Leute ihr Glück in England versuchen. Dort hat neulich ein 20-Jähriger bestanden, obwohl er während der Prüfung ein anderes Fahrzeug, das aus einer Parklücke kam, gerammt hat. "Hätte mir auch passieren können", sagte der Prüfer zum Prüfling. Der konnte sein Glück kaum fassen.

Irlands provisorische Fahrer müssen jedoch auf einen Beifahrer zurückgreifen, wollen sie keine Geldstrafe riskieren. Das Gesetz schreibt allerdings nicht vor, in welchem Zustand dieser Beifahrer sein muss. Er kann voll wie eine Natter sein - solange er noch bei Bewusstsein ist, gilt er als Fahrlehrer.

Da könnten sich ungewöhnliche Fahrgemeinschaften bilden, ähnlich wie in den USA, wo die Schnellspur auf Autobahnen für Fahrzeuge mit mindestens zwei Insassen reserviert ist. So nehmen die Autofahrer wildfremde Menschen mit, die an der Straße stehen, damit sie diese Spur benutzen dürfen.

In Irland müssen die provisorischen Fahrer lediglich einen arbeitslosen Trinker mit Führerschein in der Nachbarschaft finden. Der kann sie dann morgens zur Arbeit begleiten, darf bis Feierabend kostenlos im Pub picheln und lässt sich danach zufrieden nach Hause bringen. Man kann vor der Heimfahrt auch gerne gemeinsam ein paar Bierchen nehmen, denn von der geplanten Senkung der Alkoholgrenze auf 0,5 Promille hat die Regierung vorerst Abstand genommen. Eigentlich sollte sie im Juni nächsten Jahres in Kraft treten, aber angeblich können bis dahin die Alkoholtestgeräte, auch Röhrchen genannt, nicht neu kalibriert werden. In Wirklichkeit sind wohl die Europawahlen im Sommer schuld. Die Politiker wollen es sich nicht mit den Wählern auf dem Land verderben, die mangels öffentlichen Nahverkehrs schon immer mit dem Auto zum Wirtshaus fahren - mit oder aber auch ohne rotem "L"-Schild.

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kari

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