die wahrheit: dr. abakay und mr. ödegay

Dr. Abakay fühlte sich gut. Der Spiegel zeigte noch einige stinkende Gerüche unter seinen Lippen, die sich aber nach einem herrischen Räuspern...

Dr. Abakay fühlte sich gut. Der Spiegel zeigte noch einige stinkende Gerüche unter seinen Lippen, die sich aber nach einem herrischen Räuspern schnell zurückzogen. Ja, Dr. Abakay war wieder ganz der Alte. Er breitete seine Arme aus und genoss das Gefühl, seinen Superheldenumhang frisch gewaschen um sich zu spüren. Er war bereit. Er war bereit, Mr. Ödegay entgegenzutreten! Dieser verfluchte Mr. Ödegay würde ihn nicht wieder in die Knoblauchabhängigkeit treiben, wie er es in der Vergangenheit immer wieder getan hatte. Diesmal nicht! Diesmal wollte Dr. Abakay den endgültigen Kampf aufnehmen.

Die Schönheit des Weltalls kam Dr. Abakay ins Bewusstsein, als er in den Himmel starrte und sich nach Knoblauch sehnte. Er schnupfte eine Prise Kümmel aus der silbernen Dose, die ihm Zwiebel-Lady beim letzten Kampf gegen Mr. Ödegay sterbend überlassen hatte. Es trieb Dr. Abakay Tränen in die Augen, bei der Erinnerung an Zwiebel-Lady. Zwiebel-Lady war Dr. Abakays große Liebe, aber sie starb zu früh durch die Hand von Mr. Ödegay. Er hatte sein Dönermesser gezückt und Zwiebel-Lady erstochen. Nur um Dr. Abakay wehzutun. Und Dr. Abakay hatte in seinem Schmerz den Fehler begangen, sich seinem größten Feind anzuvertrauen - ausgerechnet Mr. Ödegay, von dem er nicht ahnte, dass er der Mörder der Zwiebel-Lady war. Mr. Ödegay füllte Dr. Abakay damals mit Knoblauch ab, bis Dr. Abakay besinnungslos wurde. Aber das war jetzt - Allah sei Dank - endgültig vorbei. Dr. Abakay breitete seine Arme aus und flog los.

Mr. Ödegay spürte Dr. Abakays Annäherung mit jeder Faser seines künstlichen Körpers. Er bestand hauptsächlich aus Plastik, aber sein Maschinenherz setzte sich aus Fleisch von totem Lamm und einem Motor vom Autofriedhof zusammen. Das war ihm etwas peinlich, darüber sprach er nicht gern.

Mr. Ödegay hielt schon eine gewaltige Ladung Knoblauch für Dr. Abakays Ankunft parat. Er sandte seinem Gegner eine Geruchsspur durch die Luft. Doch Dr. Abakay hatte sich verflogen. Er war jetzt über Malibu, während sein Erzfeind in der Türkei hockte. Dr. Abakay schnupfte fliegend noch mal aus der Dose seiner Zwiebel-Lady! Ahhh, dieser Kümmel war gut!

Endlich landete Dr. Abakay vor Mr. Ödegays Füßen. Es roch nach totem Lamm und undefinierbaren Gewürzen. Ein Augenblick der Stille trat ein, der Augenblick der Stille aber fühlte sich fehl am Platz und verschwand recht schnell.

Nun gingen Dr. Abakay und Mr. Ödegay aufeinander los. Mr. Ödegay breitete seine ganze Knoblauch-Sammlung vor Dr. Abakay aus und rief: "Iss! Iss! Iss!" Dr. Abakay fühlte sich in die Welt geworfen, und er aß, aß, aß!

Der verfluchte Mr. Ödegay hatte abermals gewonnen! Aber nicht für lang! Nächstes Mal würde Dr. Abakay die Oberhand behalten, so schwor er es sich, wie nur ein türkischer Superheld es sich schwören konnte.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Jahrgang 1966, studierte Germanistik, Geschichte und Politik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Neben dem Studium jobbte sie in verschiedenen Bereichen am Wolfgang Borchert Theater und war Mitarbeiterin des legendären Fanzines Luke & Trooke. Von 2000 bis 2013 war sie Wahrheit-Redakteurin. Dort schrieb sie 95,73% der Kurzgeschichten im Wetterkasten.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben