die wahrheit: Der homosexuelle Mann

… hat eine ganz besondere Begabung für die Bühne.

Als Sänger, Tänzer, Schauspieler. Hier ist er zu Hause, hier haben seine Gefühle Platz und Raum. Das Ballett ist seine Domäne seit alters her, die Schauspielerei ist ihm quasi zweite Natur, na, und erst der Gesang: Der Schlager wäre ausgestorben ohne ihn, und den Eurovision Song Contest müsste man auf der Stelle einstellen, bliebe er weg. Das Showbusiness ist sein Revier, Entertainment seine Herzensangelegenheit.

Darauf hinzuweisen ist banal, aber die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Homosexualität und Ausnahmetalent zu stellen ist ein Tabu. Vor allem den Protagonisten selbst erscheint der gespannte Bogen zwischen ihrem bisschen Sex und der herausgehobenen Profession nachgerade lächerlich.

Entsprechend mau sieht es aus mit dem Selbstbewusstsein schwuler Künstler hierzulande, sie haben keins, nicht als Schwule. Lieber springen sie aus dem Klofenster, wenn sie das Doppelleben nicht mehr ertragen, verstecken sich hinter bürgerlichen Heterofassaden oder lassen die Anwälte sprechen, wenn einer ihrer schwulen Seite zu nahe kommt.

Woanders gehen die Uhren möglicherweise etwas schneller. In Schweden gibt es einen Sänger, der gerade versucht, sein Talent mit seiner Homosexualität zu versöhnen: Peter Jöback. 1971 in Stockholm geboren, steht er mit zehn zum ersten Mal auf einer Bühne, mit 20 scheitert er im Vorentscheid zum Eurovision Song Contest, dann arbeitet er sich hoch in gute bis sehr gute Musicalrollen. Heute gehört er zu den profiliertesten Popstimmen in ganz Skandinavien, ausgezeichnet mit allen Preisen, die man im hohen Popnorden bekommen kann. Im April 2004 spricht Jöback im schwedischen Fernsehen zum ersten Mal öffentlich über seine Homosexualität: "Ich habe lange über diesen Schritt nachgedacht, aber jetzt fühlt es sich gut an und ist genau das Richtige"!

Die schwule Gemeinde begrüßt die mutige Geste und wählt ihn ein Jahr später auf der "Gaygalan" zum "Gay man of the year 2005".

Die "Gaygalan" wird vom größten skandinavischen Homomagazin QX veranstaltet, seine Leser wählen in der auch vom Fernsehen übertragenen Veranstaltung jedes Jahr sowohl homo- als auch heterosexuelle Prominente, die sich besonders für lesbisch-schwule Belange eingesetzt haben.

2009 und zehn Soloalben später zieht Jöback um nach New York, in Woodstock nimmt er seine neueste Platte auf, "East Side Stories". Das Besondere: Jöback wechselt in seinen Songs vom simplen "she" ins simple "he", die Texte richten sich fortan an die Männer, die er meint. So auch bei dem Depeche-Mode-Klassiker "Somebody".

Dass er den textlichen Geschlechterwechsel vollziehen darf, muss Jöback sich erst von Martin Gore von Depeche Mode autorisieren lassen. Der ist sofort einverstanden, und alles klingt auf einmal neu: " … but at the end of it all, he will unterstand me." Ein kleiner Schritt nur, ein Buchstabe weniger, und doch ein ganz großer für jeden schwulen Künstler.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de