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brief des tages

AfD und Neoliberalismus

„Vertrauen versus Misstrauen: Paranoide Störung. Rechtsextremisten nutzen die epidemisch gewordene Missstimmung“,

taz.de vom 4. 10. 25

Die Analyse ist sehr richtig: Die AfD zieht enorme Kraft aus einem Klima der Unsicherheit und Angst, gleichzeitig ist ihr politisches Programm aber nicht geeignet, die Ursachen zu bekämpfen. Diesen Widerspruch als „paranoide Störung“ zu beschreiben, ist allerdings zu einfach. AfD-Wähler haben die neoliberale Philosophie des gnadenlosen Kampfes jeder gegen jeden und des totalen Egoismus verstanden. Seit 40 Jahren gibt es Druck auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie sinkende Realeinkommen. Der einzelne Wähler denkt sich, die Welt ist kalt und hart zu mir, also wähle ich die kälteste und härteste Partei „im Angebot“. Das ist die nichtkooperative Lösung des Gefangenendilemmas. Natürlich wäre die kooperative Lösung wünschenswert. Die aktuelle antifaschistische Linie zielt darauf ab, von den einfachen Menschen im Land Kooperation, Vernunft und Humanismus zu verlangen. Die Wähler wollen aber nicht mehr auf humanistischer Basis kooperieren mit einer Elite, die selbst nicht kooperationsbereit ist und den Neoliberalismus nicht hinterfragt. Eric Brünner, Karlsruhe

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