berliner szenen: Mit vollem Mund
Am Samstag wollte ich eine Freundin auf dem Winterfeldtplatz besuchen. Dort hatte sie einen Stand gemietet, um ihre selbst entwickelte Sonnencreme zu vermarkten. Da ich spät dran war und Hunger hatte, entschied ich mich, mir auf dem Weg schnell ein Stück Pizza zu kaufen. Doch schnell war ich mit diesem Plan nicht, viele Leute hatten offensichtlich Lust auf ein Pizzastück. Egal, ich reihte mich trotzdem in die Schlange ein, weil sich der Geschmack der Pizza schon so in meine Geschmacksnerven hineinmanövriert hatte, dass ein anderer Imbiss leider nicht mehr infrage kommen konnte.
Als ich dann endlich ein Pizzastück auf Pappe in den Händen hielt, blieb mir zeitlich nichts anderes übrig, als im Gehen zu essen. Als ich an dem letzten Mülleimer, bevor die Marktstände begonnen, ankam, stopfte ich mir die restliche Pizza in den Mund und den Pappteller in den übervollen Mülleimer. Genau in diesem Moment stand plötzlich ein Typ neben mir. Mit vollem Mund schaute ich ihn irritiert an. Er wiederum begann zu reden: „Hey, du bist gerade eben an mir vorbeigelaufen und ich finde, dass du sehr sympathisch aussiehst.“ Ich musste lachen, dabei hielt ich meine Hand vor den Mund. Das Pizzastück war noch zu groß, um es herunterzuschlucken, daher kaute ich erst mal weiter, bevor ich etwas darauf antworten konnte, zumal ich auch nicht wusste, was ich darauf antworten sollte.
„Lachst du wegen mir?“, fragte mich der Typ und wirkte nun etwas eingeschüchtert. Schnell würgte ich den letzten Bissen von der Pizza herunter und sagte, dass ich nicht seinetwegen, sondern der Situation wegen lachen musste. „Schlechtes Timing also?“, fragte er. „So kann man das sagen“, antwortete ich. Auf mehreren Ebenen, dachte ich, als ich dann endlich den Stand meiner Freundin ansteuerte.
Eva Müller-Foell
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