berliner szenen: So,wie ich will
Niemand vermietet seine Wohnung gern unter. Aber ein bis zwei Drittel des Jahres leerstehen lassen, ist auch keine Lösung. Viele meiner Bekannten, die in Berlin Steuern zahlen, verbringen nicht mehr als die Hälfte des Jahres hier. Die Stadt hat weder ideell noch materiell genügend zu bieten. Aber was tun mit der Wohnung? Und womit die doppelte Miete zahlen?
Untervermieten ist böse, Airbnb noch böser. Einmal vergeben kulante Vermieter*innen eine Genehmigung, manche auch zweimal. Einige sind wirklich nett, denken mit und überlassen es den erwachsenen Wohnungsnutzer*innen selbst, wie sie es regeln. Andere sind weniger nett. Mürrisch, schlechtgelaunt, kontrollbesessen, argwöhnisch, machtgeil. Da bleibt nichts als Leerstand. Oder Unter-der-Hand-Aktionen. Und ständig Leute, die deswegen ihre Wohnung verlieren.
Mit A., die gerade in eine improvisierte Bleibe gezogen ist, streife ich durch ihren Asylkiez. An der Potsdamer Straße 186 steht ein riesiges Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit frei. Wir malen uns aus einzuziehen, mit allen Freund*innen und sozialen Utopien. Während wir beim 80er-Jahre-Koreaner mit chinesischem Eigentümer aufs Essen warten, tippen wir die Adresse in die Suchmaschine ein. Das Gebäude ist in Landesbesitz. Das Berliner Verwaltungsgericht soll dort einziehen. Macht Sinn, das Ding sieht nach Behörde aus. Noch mehr Sinn würde es machen, wenn dort mal ein Präzedenzurteil vom Stapel gelassen wird, das Mieter*innen die Verwaltungshoheit über ihre Wohnung gibt. Wieso können Leute, die eine Kaufwohnung haben, frei über ihre Bleibe entscheiden, jene, die mieten, aber nicht? Weil Eigentümer oder deren Mütter selber aufräumen, wenn der Untermieter Brösel hinterlässt? Oder wegen Feudalrecht, Gleichheit, Brüderlichkeit? Astrid Kaminski
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen