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berliner szenenGirls just wanna have fun

Winter in Berlin. Einer der Gründe, warum man diese Stadt nach einigen Jahren verlassen will. Ich beschränke mich vorerst darauf, meinen Horizont in Charlottenburg zu erweitern. Donnerstagabend: After-Work eines in den Nullerjahren exklusiven sozialen Netzwerks, das nun um seine ehemaligen members buhlt. Was uns noch verbindet: Wir sind alle Kosmopoliten (und sprechen miteinander trotzdem Englisch).

Ein Brite folgt mir auf die Toilette. Koks oder wilder Sex? Weder noch. Einfach one too many drinks; ich muss pinkeln, er wohl auch. Außerdem ist dies kein Ostberliner Club, sondern eine Westberliner Disco – wie ich beim Verlassen der Toiletten feststelle: Im Raum nebenan wird getanzt. Und zwar zu Songs, die klar voneinander getrennt sind. Die Mädelsgruppen scheinen sich nichts dabei zu denken, dass man ihnen die Mühe ansieht, die sie sich gegeben haben, um möglichst attraktiv auszusehen. Girls just wanna have fun. Ganz ohne Ironie. Den Typen gefällt das. Auch wenn sie erst mal nur ihre Drinks streicheln.

Hier wird man tatsächlich abgecheckt. Von einer bedrohten Art Homo sapiens, deren Mikrogestik ihre Sehnsucht nach zwischenmenschlichem Kontakt verrät. Das kommt mir genauso ungewöhnlich vor wie die Tatsache, dass man bereit ist, einen Unbekannten mit zu sich nach Hause zu nehmen.

„Wo gibt’s noch so was?“ Ich betrachte ungläubig die von der Decke hängenden, ihre Farbe wechselnden Lichtfäden. Gleiches Prinzip wie bei den Fiberglaslampen, die Ende der Achtziger futuristisch anmuteten.

OMG! Ich ertappe mich bei einer ähnlich ironischen Haltung wie jene bis ins Mark dringende Coolness, die mir das Leben in dieser Stadt unerträglich macht. Mein Schutzpanzer gegen die Berliner Kälte? Ich werde ihn ablegen müssen, sollte ich (woanders) glücklich werden wollen. Emmi K.

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