Zweite Niederlage in Folge: Hertha mitten im Abstiegskampf

Nach dem 1:2 gegen den HSV steht der Aufsteiger zwei Punkte vor dem Relegationsplatz 16. Hertha-Trainer Michael Skibbe ist enttäuscht.

Einer der Besten: Herthas Fabian Lustenberger am Boden Bild: dapd

Der Unterschied zur Abstiegssaison ist der: In der Rückrunde vor zwei Jahren suchten die Spieler von Hertha BSC den Kampf, spielten zuweilen ordentlich - und verloren meist unglücklich. Am Ende bedauerten nicht nur die Berliner den Gang in Liga zwei. Hertha war der "Absteiger der Herzen".

In der Rückrunde 2012 ist es anders: Nun spielt Hertha tatsächlich wie ein Absteiger, verliert verdient, und nicht einmal Worte des Bedauerns gibt es für die Berliner. Am Sonntag ätzte Fußballkolumnist Marcel Reif: Herthas Mitbewerber im Tabellenkeller - Augsburg, Freiburg und Kaiserlautern - hätten immerhin Erfahrung im Abstiegskampf. "Ernsthafte Sorgen muss man sich indes um Hertha BSC machen." Der Blick auf die Tabelle gibt ihm recht. Nach der 1:2-Heimniederlage am Samstag gegen den HSV liegen die Berliner nur noch zwei Punkte vor dem Relegationsplatz 16.

Tatsächlich boten die Berliner im zweiten Spiel von Trainer Michael Skibbe gegen clevere und gedankenschnelle Hamburger vor allem Angsthasenfußball. "Das ist enttäuschend", kommentierte Skibbe nach der Niederlage. "Entweder geht man auf den Platz und gibt alles und fightet. Oder man bleibt besser in der Kabine." Herthas Torhüter Thomas Kraft, neben Fabian Lustenberger der Einzige mit Bundesliganiveau im eisig kalten Olympiastadion, ergänzte: "Wir machen zu viele einfache Fehler."

Fehler eins wurde in der 25. Minute bestraft: HSV-Flügelstürmer Diekmeier versetzte die Berliner Abwehr, flankte, Marcell Jansen köpfte zum 1:0. Allerdings kam die Hamburger Führung zu diesem Zeitpunkt etwas überraschend. Auch Hertha erspielte sich in der Anfangsphase einige Möglichkeiten. Einem Tor von Roman Hubnik in der 10. Minute verweigerte der Unparteiische wegen Abseits die Zustimmung. In der 18. Minute stieß HSV-Keeper Drobny mit Christoph Janker zusammen, die Zuschauer forderten Elfmeter - umsonst.

Janker erlitt in der Szene einen Jochbeinbruch und musste ausgewechselt werden. Daraufhin lief nichts mehr im Berliner Spiel. Als kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit das zweite Hamburger Tor durch Mladen Petric fiel, verabschiedeten 49.168 Zuschauer ihre Mannschaft mit Pfiffen in die Pause.

Immerhin: Michael Skibbe reagierte - und das recht überraschend. In Hälfte zwei brachte er mit Peter Niemeyer für den enttäuschenden Tunay Torun einen Kämpfer, der Hertha wieder zurück ins Spiel brachte. Zudem hatte Skibbe schon in der Startelf auf Fabian Lustenberger gesetzt, der dem Herthaspiel immer wieder kreative Momente verlieh. Schließlich wechselte Skibbe mit dem bräsigen Andreas Ottl einen Ex-Bayern aus, der unter seinem ebenfalls aus München stammenden Vorgänger Markus Babbel als sakrosankt galt. Fehlenden Mut kann man Herthas Trainer also nicht vorwerfen.

Bleibt die Frage, ob er das Team in den kommenden Wochen tatsächlich in den Abstiegskampfmodus bringt. Bereits am Samstag kommt mit Hannover 96 ein Gegner ins Olympiastadion, der deutlich stärker ist als der HSV. Ohne Kampf wird da nichts gehen, zumal mit dem verletzten Janker sowie den gelbgesperrten Lell und Mijatovic fast die ganze Abwehr fehlt.

Skibbe muss also umdenken. Auch bei den Saisonzielen. Nach seiner Ankunft hatte er noch getönt, er wolle die Mannschaft mittelfristig ins erste Tabellendrittel führen. Manager Michael Preetz zieht auch da nun die Notbremse: "Es geht gegen den Abstieg. Wir brauchen Punkte dafür. Damit müssen wir nun schleunigst anfangen."

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