■ Zur Person: Stille Einsichten
Sein Grinsen trügt. „Hier kann man dünnhäutig werden“, beschreibt Ausweis-Nr. 26 seine Erfahrungen der letzten Wochen in der „Wehrmachtsausstellung“. Der Ausweis legitimiert Oliver Deppert als – Führer. Einen Praktikumsschein für sein Geschichtsstudium wollte er, gründliche Einsichten ins 3. Reich erhielt er, komplexer als in jedem Uni-Seminar. Einem Haufen von unbeleckten 15jährigen vom „Partisanen“-Krieg erzählen, sekundiert vom Sperrfeuer der ewigen Polterer – „Sie mieser Typ!“, „Waren Sie dabei?!“–, die Bilder der Gehenkten im Rücken, das erzwingt eine tiefere Auseinandersetzung als das gedruckte Wort.
„Viel bewegender“als die lauten Leugner sind für Oliver „die ganz Leisen“. „Da kämpft sich einer die Treppe hoch, schaut, sitzt da, und plötzlich muß er reden: ,Da war ich. In Charkow. Und werde nie das Geräusch der gefrorenen Gehenkten beim Gegeneinanderschlagen vergessen'.“Die Erinnerung des Alten wird Bestandteil der Erinnerung des Jungen.
Nicht nur Geschichte, vielmehr das Wirken von Geschichte in den Köpfen macht die Ausstellung erfahrbar: Die Story vom alten Mann, der die Ausstellung äußerst kritisch beäugt, – und doch wieder und wieder heimsucht, heimgesucht wird.
Und noch eine Erkenntnis: „Man kommt mit Fakten nicht gegen Vorurteile an.“Mit stillen Einsichten vielleicht? bk
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