Zukunft des Kulturforums: Stadtwüste wird wiederbelebt

Der Platz zwischen Nationalgalerie und Philharmonie soll attraktiver werden - mit mehr Grün, weniger Verkehr. Für ein Besucherzentrum fehlt aber noch das Geld.

Viel Futter in Aussicht: Auch Kaninchen dürften von der Rasenfläche profitieren. Bild: ap

Konzepte zur Aufwertung des Kulturforums stehen in einer traurigen Tradition des Scheiterns. Doch davon lässt sich Senatsbaudirektorin Regula Lüscher nicht beeindrucken: Sie will die graue Wüste zwischen Nationalgalerie und Philharmonie in einen grünen, belebten und beliebten Aufenthaltsort verwandeln. Ganz konkret, in vier Bauphasen, bis 2012, mit Hilfe von bereits gesicherten 2,5 Millionen Euro. "Kulturforum - wach küssen" nennt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Projekt, für das sie in den nächsten Wochen bei den Bürgerinnen und Bürgern um Zustimmung werben will.

"Wir müssen den Ort wieder ins Bewusstsein bringen", sagte Lüscher, als sie am Donnerstag Ergebnisse eines Workshops mit Planern, Anrainern und Kulturschaffenden vorstellte. Zunächst soll die Fläche zwischen Nationalgalerie und Philharmonie in einen Grünzug umgewandelt werden. Abgestorbene Bäume werden entfernt, neue gepflanzt. In einem zweiten Schritt ist geplant, die Hans-Scharoun-Straße - die Zugangsstraße zur Philharmonie von der Potsdamer Straße aus - für den Autoverkehr zu sperren. So soll eine Art Piazza entstehen, die den Ort zur Gemäldegalerie hin öffnet. "Die Gemäldegalerie leidet an ihrer schlechten Adressierung, die Leute werden nicht in die Tiefe gezogen", so Lüscher.

Auch der Vorplatz der Philharmonie soll einladender gestaltet werden, Parkplätze sollen verschwinden. "Wir versuchen, möglichst viele Autos aus dem Raum zu verbannen." Schließlich gebe es am Potsdamer Platz ausreichend Parkhäuser und Tiefgaragen, die nur auf Autos warteten, sagte die Senatsbaudirektorin. In einer letzten Phase will der Senat der Straße, die nordwestlich an der Philharmonie vorbeiläuft und in die Tiergartenstraße mündet, ein klares Gesicht geben. Sie soll am Kulturforum vorbeigehen und eine verbindende Linie werden.

Bislang ungesichert ist die Finanzierung eines geplanten Besucherzentrums am nordöstlichen Ende der Grünfläche. Lüscher will dafür einen Wettbewerb ausschreiben. Ein Gebäude zwischen Mies van der Rohe (Nationalgalerie) und Hans Scharoun (Philharmonie) bedürfe einer gewissen architektonischen Qualität, erklärte sie. Die Senatsverwaltung sucht zudem einen Kulturmanager, um mindestens ein Großereignis pro Jahr auf den neuen Platz zu bringen.

Das Vorhaben wird in der kommenden Woche in einer Bürgerwerkstatt öffentlich diskutiert. Es ist nur der Plan B, nachdem ein 2004 beschlossener Masterplan wegen Geldmangels auf Eis gelegt wurde. Natürlich sei es schwierig, wenn ein Masterplan nicht umgesetzt würde, bekannte die Senatsbaudirektorin. Immerhin sei viel Energie in die Arbeit gesteckt worden, viele Kämpfe ausgefochten. Aber ihr mache es auch "Spaß, Plan B umzusetzen", sagte Lüscher.

Vor allem wohl, weil er konkret und realistisch erscheint, sich am Bestand orientiert und zeitnah umgesetzt werden soll. Sie sehe die Maßnahmen auch als Wirtschaftsförderung, sagte Lüscher. Ein attraktiver Aufenthaltsort könnte mehr Besucher ins Kulturforum mit der Gemäldegalerie locken - und dem Gesamtstandort mehr Gegengewicht zur extrem populären Museumsinsel geben.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de